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Feldmarschall Graf Radetzky : sein kriegerisches Leben und seine Feldzüge vom Jahre 1784-1850 / von Franz Jos.Adolph Schneidawind
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562
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und Komg Victor Emanuels Unterschrift vollzogen, und der Ver-trag hierüber lautete für die Piemontesen überaus milde: dieSesia als DemarcationSlinie, Besetzung des von diesem Flusse,dem Tessin und Po cingegränzten piemontesischen Landstrichs durch20,000 Ocsterreicher, von denen 3000 Mann den Po überschrit-ten und zu gleichen Theilen mit den Piemontesen die Garnisonvon Alessandria bilden, Abzug der Piemontesen aus allen nichtsardinischen Staaten, Zurückziehung ihrer Flotte aus dem adria-tischen Meere, beförderliche Reduktion ihrer Armee auf den Frie-densfuß, Abdankung der daselbst dienenden Lombarden, Ungarnund Polen, welchen Oesterreich dagegen Amnestie gewährt; end-lich nnverweilte Eröffnung der Fn'edensuuterhandlungen. — Die-ses schonende Verfahren Radetzky'S hat einigen Tadel — natür-lich! — erleben müssen. Allein diese diplomatische Milde desalten Feldherrn hat einen unzeitigen europäischen Krieg ver-mieden !

Der Felvzug war mit der glorreichen Schlacht von Novarakaum zu Ende gegangen, so erschien auch alsbald etwas europäi-sche Diplomatie in Radetzky's Hauptquartier, die Herren Boisle Comte und Abercrombie, die Repräsentanten Frankreichs undEnglands, um mit dem alten Marschall „im Auftrag der sardi-nischen Regierung" das Wohl und Wehe Piemonts in die Handzu nehmen. Radetzky aber, der zu weise war, um vielleicht durchdie Feder verderben zu lassen, was das Schwert soeben gut ge-macht hatte, ließ ihnen sagen, daß der Waffenstillstand abgeschlos-sen sey, daß er mit ihnen in amtlicher Eigenschaft durchaus nichtszu thun habe, sie aber in ihrer Eigenschaft als Privatpersonengern empfangen würde. So kamen sie denn zu dem greisenHelden und mit ihnen der Podesta von Turin, um die Stadt,im Fall der Besetzung, seiner Gnade zu empfehlen.

So war denn mit der einzigen Schlacht bei Novara derFeldzug beendigt, und es war nicht eine Woche vergangen, seitF.-M. Radetzky aus Mailand gezogen war. Mit mehr Recht,wie er, hat wohl seit Cäsar Niemand sagen können: veni, vicli,viel. Und gegen wen waren die glänzenden Kämpfe bei Gam-bolo, Mvrtara und Novara ersiegt worden? Nicht gegen Land-wehren und Civicas, nein, gegen die früher gerühmte undnamentlich in Haupttheilen, der Artillerie, dem Generalstabe, vor-züglich versehene sardinische Armee. Und wie war in den mei-sten dieser Gefechte die feindliche Uebermacht so groß, die An-zahl der piemontesischen Truppen den österreichischen so sehr über-legen? Man betrachte nur die erste Hälfte der Schlacht vonNovara, wo F.-Z.-M. d'Aspre'ö Corps, nicht ganz 20,000