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Feldmarschall Graf Radetzky : sein kriegerisches Leben und seine Feldzüge vom Jahre 1784-1850 / von Franz Jos.Adolph Schneidawind
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mehr gegeben, und an jedes Haus, aus welchem geschossen wurde,Feuer gelegt. In der Nacht wurde der Kampf einige Zeit ein-gestellt, allein am folgenden Tage, dem Palmsonntag, mit erneuer-tem Nachdruck aufgenommen, das Bombardement aufs wirksamsteunterhalten, und, nachdem um 4 Uhr Nachmittags noch eineVerstärkung von 1 Bataillon des ersten BanalistenregimentS und1 Escadron Dragoner, wie auch 1 Mörserbatterie eingetroffenwaren, um 5 Uhr der Kampf beendigt. Brescia war unterwor-fen, mehrere Rebellen und Verbrecher wurden standrechtlich ver-urteilt, und der Stadt und Landschaft Brescia eine ansehnlicheKontribution auferlegt. Ihr ferneres Geschick legte Haynau indie Hände Radetzky's, dessen milde Sinnesart die befürchtetenstrengeren Strafen, wie sie z. B. Pavia, Verona vor mehr als50 Jahren von Napoleon Bonaparte erfahren hatten, großmüthigerließ*).

Wo sonst noch in der Lombardei ein Aufruhr aufgezuckt, warer bald wieder erstickt worden. Es war keine allgemeine Sachemehr. Mit dem früher erwähnten AufruhrS-Ausrufe des PrinzenEugen von Savoyen-Can'gnan waren wohl bedeutende Waffen-sendungen in die Lombardei eingeschwärzt und vertheilt worden;allein, als die Oesterreicher zurückkehrten, dienten in vielen Ortendieselben Gewehre nur, um damit bei der Parade vor den Heim-kehrenden zu präsentiren, und sie dann willig an die Behördenabzuliefern.

Am 28. März erging in Novara der Befehl: „Das Haupt-quartier begibt sich morgen nach Mailand zurück." Der Kriegwar beendigt. Am 29. Morgens um 6 Uhr bestieg F.-M. GrafRadetzky seinen Wagen und fuhr auf Mailand. Alles folgteihm. Trotz des schlechten Wetters standen auf der Straße inNovara Hunderte der Einwohner, um dem alten Herrn, denAlles auch im Feindeslande lieb gewonnen, einen freundlichenAbschied zuzurufen. Auch in den Dörfern, die er passirte, standendie Einwohner vor ihren Häusern und sandten dem Wagen manchherzliches Evviva nach. Als man in die Nähe von Mailand,vor die Porta Vercellina, kam, hatte sich das Wetter aufgeklärt,und Radetzky beschloß, hoch zu Roß seinen Einzug in die Stadtzu halten.

In der Lombardei waren absichtlich fabelhafte Schlachtbe-richte verbreitet worden, worin deutlich zu lesen war, daß die

') Hochländer bezeugt uns, daß die von den in Brescia Crmmandirendenverlangte Bestätigung von Tcdesurtheilcn durch den Feldmarschall bestän-dig unangenehm auf das menschenfreundliche Gemüth Radetzky's gewirkthätten.