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Feldmarschall Graf Radetzky : sein kriegerisches Leben und seine Feldzüge vom Jahre 1784-1850 / von Franz Jos.Adolph Schneidawind
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590
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27. Mai, als eine Patrouille von 1 Unterjäger und 3 Mannder steierischen Schützen den Werken sich näherte, sie dieselbenverlassen sand. Muthig ging sie in die Beste hinein, erstieg dieBrustwehr und winkte mit freudigem Zuruf ihren Kameraden inden Laufgraben und Batterien. Mit lautem Jubel eilte Alles,was in der Nahe war, mit oder ohne Waffen, nach der Festung,welche um 7 Uhr militärisch besetzt wurde.

Einige kühne Officiere und Soldaten waren nach der Eisen-bahnbrücke geeilt, Andere hatten sich in das Wasser geworfen undsich des auf 200 Schritte rechts der Brücke gelegenen Forts SänGinliano bemächtigt. Plötzlich aber empfing sie von den Schiffenund dem links von der Brücke, näher gegen die Stadt, stehendenFort Sän Secondo ein heftiges Geschützfener, wodurch in demFort Sän Giuliano ein Munitionsmagazin in die Lust gesprengt,und der Tod von 3 ausgezeichneten Officieren und mehrerenbraven Soldaten herbeigeführt wurde.

Im Ganzen hatte die österreichische Artillerie in 72 Stunden60,000 Schüsse gethan. Die meisten waren Treffer, die Zerstö-rung übertraf jede Vorstellung. Wenn je die Artillerie wegenihres richtigen Schießens und aufopfernder Ausdauer ein Lobverdient hatte, so hat sie beim Anblicke des Forts Malghera ihrenLohn gehabt. In den eroberten Werken wurden 137 Geschütze,wovon 38 unbrauchbare, 35,000 Kugeln und Bomben und 33 Cent-ner Pulver erbeutet.

Noch am Abende erschien bei dem Belagerungscorps derF.-M. Radetzky, welcher auf die telegraphische Nachricht von demFalle Malgheras unverzüglich von Verona herbeigeeilt war. Erbesichtigte, vom Jubel der treuen Krieger begrüßt, die genommenenWerke, und befahl die Arbeiten zur Beschießung von Venedigmit aller Anstrengung fortzuführen. Die in der Stadt herrschendePartei wollte noch nichts von Uebergabe wissen, obschon ihr selbstdas englische Ministerium diese anrieth. Ein am 31. Mai vonden Venetianern unternommener Versuch, Sän Giuliano durchUeberraschung wieder zu gewinnen, scheiterte an der Wachsamkeitder k. k. Besatzung.

Die Venetianer hatten die Eisenbahnbrücke an sieben Stellun-gen abgesprengt. Hinter der letzten Abgrenzung, nämlich aufder ungefähren Hälfte der Brücke, hatten sie 7 schwere Kanonenund 2 zwölfzöllige Mörser placirt, 14 Geschütze bestrichen dieBrücke von dem Fort Sän Secondo her, und auf dem Wasserzu beiden Seiten hielten 15 Schiffe, deren Feuer den Arbeitender Oesterreicher sehr hinderlich war.

Die Belagerer erbauten nun mitten im feindlichen Geschütz-