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Vier Jahre in Spanien : die Carlisten, ihre Erhebung, ihr Kampf und ihr Untergang. Skizzen und Erinnerungen aus dem Bürgerkriege / von A. von Goeben
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IV.

Mehrere Truppen-Abtheilungen waren angekommen, Mu-nition ausgetheilt und alle die Vorbereitungen getroffen, welchedem Soldaten anzeigen, daß bald sein Muth wird in Anspruchgenommen werden. In der Nacht des 5. Juni weckte mich derdumpse Lärm, der stets den Abmarsch der Truppen begleitet,und im Augenblick gekleidet und bewaffnet eilte ich den Batail-lonen nach, deren Marschrichtung die Absicht, die feindlichenStellungen anzugreifen, nicht bezweifeln ließ. Da mein Pferdnoch nicht angelangt war, konnte ich meine Funktionen bei demGeneral nicht versehen, weshalb ich dem 2. Bataillon von Gui-puzcoa mich anschloß, dessen Grenadier-Compagnie von einemSchweizer, mit dem ich näher bekannt geworden war, commandirtwurde. Noch vor Tagesanbruch standen oder besser lagenwir, hinter dem Kamm einer Anhöhe auf der Erde ausgestreckt,den Vorposten des Feindes gegenüber, die in ihre buntgestreif-ten wollenen Decken gehüllt rasch auf- und abschritten, die Mor-genkälte abzuwehren, die selbst in jener Jahreszeit ihnen em-pfindlich blieb; die wild wehmüthigen plr^sras Meeresufer-Gesänge, die Kinder des südlichen Andalusien verrathend,wurden vom leichten Winde in abgerissenen Klängen zu unsherübergetragen- Hinter den Vorposten erhoben sich die Ver-schanzungen über Pafsages, augenscheinlich zum Ziel unseresAngriffes bestimmt. Ein zweites Bataillon lagerte etwas zurRechten hinter uns.

In lautloser Erwartung lagen wir da. Wer vermöchte dieGefühle zu schildern, die in der Brust des Jünglings stürmisch !wogen, da er die Stunde des ersten Kampfes nahen sieht! ^Stolz und Beklommenheit, Vertrauen und Ungeduld wechseln ,gleich mächtig: der Augenblick ist ja da, den er so lange herbei- ^