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hauchten, oder in leisem Gewimmer die Schmerzen verriethen,deren Töne zu unterdrücken ihre Kraft nicht mehr hinreichte.Wohin vermag Selbstsucht den Menschen zu treiben! Sie tödtetjedes edlere Gefühl in ihm, sie macht ihn unempfindlich gegendie Leiden seiner Mitmenschen, ja sie vermag so ihn zu versteinern,daß er Freude fühlt bei dem Anblicke fremden Elendes und Trostim Dulden Anderer für sein eigenes Geschick sucht. Doch reg-ten sich bald bessere Gefühle in meinem Herzen: die Bitterkeitmachte der Wehmuth Platz, Ruhe und Ergebenheit trat an dieStelle des wilden Zornes, bis die bisherige Aufregung in Er-schlaffung und Abmattung sich auflösete und fester, erquickenderSchlaf des erschöpften Körpers sich bemächtigte.
Als ich erwachte, dämmerte der Morgen. Waffen undblutige Kleidungsstücke lagen im Zimmer umher; zwei der Ver-wundeten waren während der Nacht gestorben, die andern neunlagen hülflos da, außer Stand, sich zu bewegen. Nachdem ichmeine Lage überdacht hatte, erhob ich mich langsam mit unsäg-licher Mühe, in Schulter und Arm von stechenden Schmerzengefoltert; ich hielt es als der Erste an Graduation unter denZurückgelassenen für Pflicht, der Erste dem Feinde, der jede'Minute anlangen konnte, mich darzubieten und die Sorgfaltder Anführer für die verwundeten Gefährten in Anspruch zunehmen. Sehr geschwächt schlich ich dem Eingänge des Dorfeszu, dessen Bauern, niedrig knechtisch gesinnt, wie der Neu-Ca-stilianer allgemein, und vor dem Stärkeren stets schmeichelndim Staube kriechend, mir finstere Seitenblicke zuwarfen, ohneihre Hülfe anzubieten, und selten wagte irgend ein mitleidigeresWeib, einige Worte des Bedauerns zu äußern. Von Durst ge-quält trat ich in das kleinste Hans, einen Trunk Wasser zu for-dern. Das Mädchen, welches mir ihn reichte, flüsterte mir zu:»Um Gottes willen, fliehen Sie ins Gebirge, denn die Schwar-zen sind schon im Anzüge und werden Sie tödten.« Mit schmerz-lichem Lächeln sah ich auf den Arm, den bei der leichtesten Be-