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wegung scharfe Stiche durchzuckten, und dankte dem theilneh-menden Kinde; dann setzte ich den schwankenden Gang dem Thorezu fort und erwartete aus einem Baumstamme sitzend die An-kunft der Feinde.
Las Cuevas — die Höhlen — liegt, seinem Namen Ehremachend, wie ein Schwalbennest einem hohem abschüssigen Fels-berge angeklebt, in dessen Mitte ein Absatz sich befindet, geradegroß genug, um die Häuser des Dorfes zu fassen, dem einschmaler Felsenweg sich zuwindet, während die Straße, ohneden Ort zu berühren, unten im Grunde sich hinzieht. Bonmeinem Sitze aus konnte ich etwa tausend Schritt weit dasThal übersehen, bis es sich hinter den in mannigfacher Gestal-tung es umkränzenden Höhen verlor. Im Morgennebel lag dieLandschaft düster da, nicht durch emsige Arbeiter belebt, da diese,die Raubgier der zügellosen Soldateska fürchtend, ihre Wohnun-gen nicht zu verlassen wagten und nur von Zeit zu Zeit neu-gierig forschende Blicke nach dem Wege warfen, auf dem diesiegreichen Christines herankommen mußten. Sie zaudertennicht lange. Gewehre blitzten, einzelne Reiter, leichte Truppendes Vortrabes wurden sichtbar, und schnell folgte eine langedunkele Masse, wie eine ungeheure Schlange durch die Öffnun-gen der Berge sich hinwindend. Die Colonnen befanden sichzur Seite des Dorfes, als ein kleiner Trupp, von der Marsch-ordnung sich trennend, den Felsenweg heraufzog; Helme funkel-ten näher, und ein Detachement Dragoner, welchem eine Jäger-Compagnie folgte, sprengte dem Eingänge des Ortes zu.
An der Spitze der Reiter jagte der Capitain der Jägereinher. An ihn richtete ich mich mit der Bitte, die im Gemeinde-hause befindlichen Verwundeten gegen jede Mißhandlung schützenzu wollen, worauf er, ein Mann edel und großmüthig, wieich selten unter Spaniern, unter Christines sie fand, mich auf-forderte, ihm zu folgen und meiner Leute wegen unbesorgt zusein; er stellte sofort Posten zu ihrer Sicherheit auf und ließ für
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