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die Armen, um die seit dem Abend Keiner sich bekümmert, durchdie Behörden Pflege und Nahrung besorgen. In der Thatwagte Niemand, Hand an uns zu legen, so lange dieser Ehren-mann mit seiner Compagnie im Dorfe blieb; da aber kaum derletzte Jäger den Rücken gewandt, um mit der Colonne sich zuvereinigen, stürzten die Dragoner über uns her, mißhandeltendie Hülflosen trotz ihres herzzerreißenden Jammers, nahmen ih-nen Alles ab, was sie an Werth besitzen mochten, und gingenin ihrer wilden Grausamkeit so weit, daß sie die Kleidungs-stücke, steif von geronnenem Blute, ihnen vom Leibe rissen.Auch ich ward, wie meine Cameraden, entkleidet und mußteauf besondern Befehl des feindlichen Generals dem Corps fol-gen, während die übrigen Verwundeten den Dorsbehörden zumTransporte nach dem nächsten Hospitale übergeben wurden.
Nachdem ich eine schreckliche Stunde zu Fuß mich fortge-schleppt hatte, durfte ich auf die Ballen eines hoch beladenenMaulthieres mich heben lassen. Jeder Schritt machte mich vonfurchtbarem Schmerze zucken, und mit fest über einander gebis-senen Zahnen saß ich starr und lautlos, bis endlich die nie auf-hörende Wiederholung desselben Schmerzes mich ihm vertrautoder stumpf gemacht hatte. Dann ward ich vom Hunger ge-quält, da ich seit dem Morgen des vergangenen Tages Nichtsgenossen, und umsonst hoffte ich, daß die Division anhalten undLebensmittel austheilen werde. Der Marsch dauerte fort undfort, meine Schwäche durch Blutverlust und Nahrungslosigkeitherbeigezogen, nahm immer zu, ich glaubte mich sterbend undfreute mich, daß alle Leiden nun bald vollbracht seien. Schonbrach die Nacht an und noch ward nicht gerastet. Mein Maul-thier weigerte sich, langer zu marschiren, es stolperte in jedemAugenblicke, dadurch meine Schmerzen auf den höchsten Gradsteigernd, und wurde nur durch Kolbenstöße der Wache zumWeitergehen gezwungen. Da schlug es einen schmalen Fußsteigein, der hoch über dem Wege erhaben neben ihm hinlief, glitt