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Wer möchte all den Jammer, das tausendfache, herzzerrei-ßende Elend schildern, wie es in einem spanischen Hospitale,den Kältesten erschütternd, zusammengehäuft ist. Da liegen dieArmen, in langen Reihen dicht an einander gedrängt, ja oftzu zweien in demselben Bette vereinigt, so daß der Genesendedie Convulsionen des Sterbenden neben sich fühlt, der hülfloseKranke den eisigen Leichnam seines Gefährten berührt. Dum-pfe, schwülstige Luft, geschwängert mit den widerlichen Ausdün-stungen so vieler verschiedenartiger Übel, beklemmt die Brust desEintretenden und macht ihn zurückschaudern im athemlosenEkel; grause Unreinigkeit starret rings in den widrigsten For-men, und Legionen von jeder Art Ungeziefer, dieser Kinder desSchmutzes, bedecken Boden, Wände und Betten, durch nie en-dende Qual die Unglücklichen aufzehrend, welche umsonst ihreKräfte erschöpfen, die höllischen Plagegeister von sich abzuweh-ren. Die Betten bestehen aus einem Strohsacke mit Betttucheund wollener Decke; als Nahrungsmittel, unabänderlich festge-setzt, ward am Mittag und Abend ein Stückchen Schaffleischund ein halbes Pfund Brod, am Morgen etwas Brod mitWasser, Knoblauch und Salz zerkocht und ein wenig rohes Öldarüber gegossen — lg soxs — ausgetheilt. Sogenannte Bouil-lon von Schaffleisch fand sich in solcher Menge, daß die größereHälfte stets weggegossen wurde, da selbst die Bettler sie nichtgenießen mochten. So war die Kost aller Hospitale, die ichunter den Christines gesehen, den Verbreitern der allgemeinenAufklärung und Humanität, wie sie gern sich nennen; auf stren-gere Diät wurden die Kranken willig gesetzt, feinere, stärkendeNahrungsmittel dagegen nie bewilligt. Ist es unter solchenUmständen zu bewundern, daß Tausende von verwundeten odererkrankten Soldaten in den Lazarethen ihr Leben aushauchten,da sie so leicht dem Lande konnten erhalten werden?
Und was sage ich von denen, die, in der Verwaltungder Hospitale angestellt, am meisten zur Pflege und zum Wohle