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waren zum Sturm beordert. Wieder erklimmte die Masse den Fel-sen und stürmte gegen die Bresche, nicht mehr in der majestätischenOrdnung wie vorher, — wild und gedrängt mit fanatischem Frei-heitsgeheule ; nur die Fremden schritten lautlos und fest wie zurParade nach dem gleichmäßigen Tacte der herüberrauschenden Ja-nitscharen-Musik. Wieder wurden die Trümmer der Bresche mitden Leichen der Wüthenden bedeckt, und zerstreut flohen die Ver-schonten. Die Jäger von Oporto allein wichen nicht, sie erstie-gen die Bresche, oben auf ihr, von Flammen umspielt, suchtensie den Weg durch die brennenden Stoffe und stürzten dortunter den tödtlichen Kugeln in die Gluth. Doch das Feuervor ihnen und dahinter eine neue Mauer, Verderben speiend,machte alle Anstrengungen vergeblich: die Deutschen wichen,Morella war gerettet.
Umsonst ermunterten die Officiere ihre Compagnien zunochmaligem Sturm, finsteres Schweigen antwortete ihren Bit-ten, ihren Drohungen, und die Soldaten rührten sich nichthinter dem Felsen, der sie deckte. Um drei Uhr Morgens zogendie abgeschlagenen Truppen entmuthigt und die Reihen gelich-tet ins Lager zurück.
Der 16. August verging unter steten, blutigen Scharmützelnder beiden Armeen, da die Carlisten so eben einen TransportPulver erhalten hatten; zugleich spielte die Artillerie fortwährendgegen die Festung, den neuen letzten Versuch der Christinesvorzubereiten und die Ausbesserung der Bresche zu verhindern.Denn noch einen Versuch wollte Oräa machen und zwar ohneAufschub: seine Soldaten aßen seit drei Tagen nur geröstetesKorn, die Pferde hatten alles Getreide der Felder ausgezehrtund fielen schon häufig. Der Sturm sollte bei Tage unter-nommen werden, da die Führer der beim ersten Angriffe an-gewendeten Corps das Mißlingen desselben der Verwirrung im
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