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In Linares fand ich einen Aide de camp des Generals mitder Errichtung eines — wie er es nannte — Forts beschäftigt.Eine alte Kirche suchte er nämlich auf die merkwürdigste Weisemit Flamkenfeuer zu versehen, zu welchem Zwecke er auch obenunter dem Dache einige Balken weit hervorgeschoben und aufihren äußersten Enden, über der wenigstens achtzig Fuß hohenTiefe schwebend, ein hölzernes Hüttchen mit bunt durcheinan-der geworfenen Schießscharten gebaut hatte, was er denn stolzflankirende Thürme von seiner Erfindung nannte. Und dazuließ er ein Dutzend Häuser rings um die Kirche abbrechen!Die ganze Stadt liegt übrigens in einem tiefen Kessel, so daßdas wunderbare Fort auf weniger als halbe Flintenschußweitevon allen Seiten durch hohe Berge überragt war.
Ich gab dem guten Aide de camp den Rath, nicht längerseine Zeit hier zu vergeuden, und eilte trotz seiner Bitte, sowie ich mich gewärmt und durch Speise gestärkt hatte, vonbannen, den Marsch gen Süden fortsetzend. Nun ging es fort-während bergab, und ehe wir viele Stunden zurücklegten, um-säuselten uns wieder die milden Zephyre, mehr dem Frühlingeangemessen; bald fanden wir schon Blumen und endlich gar inden Gärten der unmuthigen Dörfer Gemüse und wohlschmeckendeKräuter, wie die wärmeren Theile Spaniens in jeder Jahres-zeit sie hervorbringen. Ohne selbst es zu empfinden, hätte ichso raschen Wechsel nicht für möglich gehalten, da wir, von demgroßen Hochplateau von Aragon und Valencia, in dem ich dieletzten fünf Monate zugebracht hatte, herabsteigend, plötzlich ausdem strengsten Winter in oft drückende Sommerwärme versetztwaren.
Meine Absicht war, in la Puebla de Arenoso neue Führerund Maulthiere zu nehmen, dann bis zu einer einsamen Masada,die eine Stunde von der gefährlichen Chaussee liegen sollte, vor-zugehen und nach kurzer Ruhe am folgenden Morgen die Straßezu überschreiten, um jenseits noch während des Tages aus dem