608
mittet herzuführen, wobei sehr Viel durch Schleichhändler ge-schah, die aus den reichen Ebenen Valencia's mit Gefahr desLebens — die Christines erschossen jeden Maulthiertreiber, der,freiwillig nach unsern Festungen reisend, von ihnen aufgefangenwurde — aber auch mit ungeheurem Gewinne Lebensmitteljeder Art und selbst die mannigfachsten Delicatessen brachten.Täglich langten solche Caravanen, oft auch mit sorgfältig-ver-steckten Waffen, militairischen Abzeichen, Tuch und sogar Pulverbeladen, aus den umliegenden Provinzen an, und da das Gou-vernement durch die weithin eingetriebenen Contributionen reich-lich mit Geld versehen waren, die Truppen auch regelmäßigihren Sold erhielten, fand Alles raschen Absatz.
Der Gouverneur war ein biederer alter Junggeselle, derals Jüngling schon gegen Napoleon gekämpft und unter Ferdi- Anand VII. eine Escadron in einem Linien - Regiments comman- 'dirt hatte. Seit dem Anfang des Aufstandes kriegte er an derSpitze einer Guerrilla in Aragon und Valencia, häufig demAnschein nach auf immer vernichtet und jedesmal unermüdetsich wieder erhebend, bis er später Cabrera sich anschloß, derseine hohe Achtung vor ihm bekundete, da er ihn zum Chef desherrlichen Cavallerie-Regimentes von Tortosa ernannte.
Durch Wunden verhindert, ferner in der Kavallerie zudienen, erhielt Oberst Gil das Gouvernement von Alpuente,welches er in den besten Stand setzte, und dann das des wich-tigen Canete, wo er durch Festigkeit und Einsicht, wie durchaußerordentliche Milde sich hervorthat, ja diese zuweilen zu weittrieb, wie er z. B. meinen unumgänglichen und pflichtgemäßenRequisitionen für die Befestigungsarbeiten gewöhnlich durchKlagen über die armen Leute, die schon ganz ruinirt seien,Einhalt zu thun suchte. Doch dieser Fehler des Militairs, soselten in jenem Kriege, steigert unsere Achtung vor dem Men-schen, und er erwarb ihm die Neigung des Volkes, welches inValmaseda ja sein Gegenstück mit Jammer kennen lernte. Zu-