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Vier Jahre in Spanien : die Carlisten, ihre Erhebung, ihr Kampf und ihr Untergang. Skizzen und Erinnerungen aus dem Bürgerkriege / von A. von Goeben
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gleich war der Oberst sehr uneigennützig, auch dadurch Vortheil-haft hervorstechend, ein angenehmer Gesellschafter, stets guterLaune und bereit, Rath anzunehmen; er war selbst darin etwasschwach, indem er sich die ausschließliche Leitung aus den Hän-den winden und sein Gouvernement in der That zu einer mili-tairischen Aristokratie werden ließ, da sechs oder sieben derangesehensten Chefs gemeinschaftlich regierten. Dadurch wardfreilich zuweilen einiges Zaudern und Schwanken unvermeidlich.

Canete ist auf drei Seiten mit einer sagenförmigen, etwaacht Fuß starken Mauer umgeben, aus den Zeiten der Araberherstammend; einige Thürme, zum Theil neu angelegt, flankirensie. Die vierte Seite nimmt der 220 Fuß hohe Felsberg ein,auf dessen oberer, etwa 600 Fuß langer und 30 bis 80 Fußbreiter Flache das Castell, ganz den Umrissen des Felsens folgend,-erbaut ist. Doch war die Stadt nicht haltbar, da sie vonmehreren, auf Flintenschußweite entfernten Hohen eingesehenund donünirt wird und gar keine bombenfeste Gebäude besaß.

Das Castell dagegen war in brillantem Zustande, enthieltvier abgeschlossene Plätze, deren jeder den vorliegenden voll-kommen beherrschte und nach dessen Verlust der kräftigsten Ver-theidigung fähig war, und bot den feindlichen Geschützen einstarkes Profil dar. Dabei waren die Werke rings umher aufzwanzig bis neunzig Fuß tief perpendiculär sich senkende Felsengegründet mit Ausnahme eines kleinen Raumes von dreißigFuß Breite, der eine wenn auch mit unendlicher Schwierig-keit ersteigbare Bresche zuließ, weshalb dorthin alle Ver-theidigungsmittel gehäuft wurden. Eine naheliegende Höheensilirte das Castell, weshalb ich nach Niederreißung des aufihr von einem früheren Gouverneur erbauten runden Thurmes,der gar keines Widerstandes fähig war, eine der Gestalt desFelsens angemessene starke Nedoute dort anlegte.