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wieder und wieder vor meiner Thür vorbeigingen. Da dieMilitärbehörden von Murviedro im entlegenen Castell. wohntenund ich so spät nicht mehr wagen durfte, dorthin mich zu be-geben, baten mich einige der Verwundeten, welche neben meinemHause einquartiert waren, bei ihnen die Nacht zuzubringen, fürmeine Sicherheit sich verbürgend. Und wohl bedurfte ich diesesSchutzes. Bis nach Mitternacht standen große Haufen vonhalbtrunkenen Schurken, mit ihren armlangen Messern bewaff-net, an der Thür und hinter den Ecken, erwartend, daß ichmeinen Zufluchtsort verlasse.
Wieder durchschritt ich die herrlichen Gefilde der Huerta,aber mit wie so ganz andern Empfindungen. Damals ging ichkampflustig und vertrauend auf nahen Triumph zur Auswechse-lung , die langen Leiden ein Ziel setzen sollte; und jetzt . . . .!
Nachdem mir der englische Consul in Valencia bereitwilligeinen Paß unter falschem Namen als verabschiedetem Soldatender britischen Hülfslegion ausgestellt hatte, da ich nur so miteiniger Sicherheit die Reise fortsetzen konnte, schiffte ich micham 8- August auf einem kleinen Kauffahrer im Grao ein, umdie im ewigen Frühlinge prangende Stadt zu verlassen. Eingünstiger Wind trieb uns längs den mit Hügeln umkränztenKüsten von Valencia und Catalonien hin, deren niedliche Städte,dicht an einander gereihet, langsam vorüberschwanden. Wir be-wunderten die von der Natur zum geräumigsten und gegen alleWinde gleich trefflich geschützten Hafen gemachte Bai der Mar-ques, da wir, drohendes Gewölk fürchtend, eine Nacht auf ihrerstets spiegelglatten Fläche zubrachten. Unter Carl IV. ward dortdie Grundlage zu einer neuen Stadt, Sän Carlos, gelegt, in dereinzelne prachtvolle Gebäude eine hohe Cathedrale umgeben, sowie alle Straßen abgesteckt sind. Die politischen Stürme undDrangsale, unter denen Spanien seit fünfzig Jahren seufzet,ließen die Ausführung des schönen Gedankens auf günstigereZeiten verschieben.