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Dann durchschnitten wir den schmalen, weiß schäumendenStreifen, durch den der Ebro einige Meilen weit ins Meerhinein die Gewalt seiner Wasser bekundet, und legten am N.Juli vor Tarragona bei, schon zur Zeit der Römer gerühmtund unter den Arabern als eine der ersten Städte der Halb-insel blühend, jetzt nur noch durch Ruinen an seine einstigeGröße erinnernd. Am folgenden Lage erreichten wir den schönenHafen von Barcelona, der reichsten Stadt Spaniens, eben solieblich durch ihr Klima, wie sie in der Geschichte des Bürger-krieges durch die Wildheit ihrer Bewohner hervorsticht, welchehäufige Revolutionen und Mordscenen hervorrief.
Die Königinn Wittwe befand sich seit einiger Zeit mitihren Töchtern in Barcelona nebst den Generalen Espartero,dem Siegeshcrzoge, Leon, Grafen von Vclascoain und O'Donnell,welche ich kurz nach der Landung auf der Parade sah. Espar-tero ist von untersetzter Statur und dunkel gebräunten Antlitzesmit feurigen Augen und scharf markirten, listigen Zügen; inseinem Auftreten und Wesen malten sich unendlicher Stolz undEitelkeit. Er stand zu jener Epoche auf dem Gipfel der Bolks-gunst und war von dem Heere angebetet- Vivas empfingen,Deputationen begrüßten ihn bei jedem Schritte, selbst über dieRegentinn ihn erhebend, da er gerade durch eine Proclamationentschieden gegen das Regierungssystem sich ausgesprochen hatte.Espartero war schon der wahre Herrscher Spaniens. Nebenihm zog die starke imponircnde Gestalt des Generals Leon dieAufmerksamkeit an: ein dichter schwarzer Bart, aus demdie Augen dunkel blitzten, bedeckte das ganze Gesicht undgab ihm einen besonders finstern Ausdruck. Augenscheinlichherrschte Kälte zwischen ihm und dem Oberfeldherrn. O'Don-ncll dagegen, wohlbeleibt, mit dem feststehenden Lächeln aufden immer sich gleichen Zügen, denen die scharf gebogeneAdlernase einen Anstrich von Energie verlieh, machte sich Vielmit Espartero zu schaffen und schien durch freundliches Grüßen