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Die technische Bildung im Kaiserthume Oesterreich : ein Beitrag zur Geschichte der Industrie und des Handels / von Dr. Herm. Ign. Bidermann
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tz. 3.

Aus vorstehenden Citaten, deren Zahl leicht um ein Beträchtlichesvermehrt werden konnte, erhellt zur Genüge die merkantile Auf-fassung der Verkehrs-Bezichungen und Productions-Verhältnisse, welcherbesagte Regierungsmaßregeln entsprangen.

Wie kam es nun aber, daß diese Auffassung gerade in der zwei-ten Hälfte des 17. Jahrhunderts gang und gäbe wurde und derleiFrüchte trugd ch

^) Einzelne Spuren dieser Auffassung datircn weit zurück. So erzähltAndersen in seiner Geschichte des Handels: König Eduard I. von England habeim Jahre 1307 einen Befehl erlassen, kraft dessen die Zahlungen an den Papst nichtlänger mehr in englischer Münze oder in Silberbarren, sondern fortan in Wechselngeleistet werden sollten, und als dieses Gesetz den Geldabfluß gleichwohl nicht zu hin-dern vermochte, da ja auch die trassirten Summen ihrer Zeit wieder zu decken waren,sei im Jahre 1371 der Befehl erschienen, daß die Kaufleute sich anbeisebig zu machenhätten, den Werth der gezogenen Wechsel binnen einer dreimonatlichen Frist in Gestaltvon englischen Produkten auszuführen. — Ungefähr gleichzeitig (1369) wurde die Geld-ausfuhr auch in Schottland verboten. (Wachsmuth: Kulturgeschichte II. L. S. 292.Note 27,)

Hormayr erzählt in seiner Geschichte Wiens (3. B. 3. Heft, S. 36): HerzogAlbrecht von Oesterreich habe um das Jahr 1370 zwei Junker des ritterbürtigen Ge-schlechtes der Tirna zu Wien, welche von böhmischen Raubrittern waren gefangen undnur gegen das Gelübde großen Lüsegeldes wieder waren freigelassen worden, bei ihrerHeimkehr auf die Burg Kreuzenstein gefangen gesetzt, um sie auf solche Weise an derVersendung des den Raubrittern zugesagten vielen Geldes außer Landes zu hindern.

Nach einem Vertrage zwischen Portugal und Kastilien vom I. 1411 war dieGeldausfuhr im wechselseitigen Verkehre beider Länder untersagt (Dumvnt Llorxsäiploiu. II, 2, 336).

Zellweger erwähnt in seiner Geschichte des Appenzellischen Volkes (L. II.S. 435) heftiger Debatten, welche im I. 1484 auf der Tagsatzung zu Muri in derSchweiz wegen der Verschleppung des baaren Geldes durch ausländische Kaufleutegeführt wurden.

Im Jahre 1568 ließ der Churfürst von der Pfalz ein Schiff, das vieles Geldfür italienische Kaufleute geladen hatte, zu Mannheim in Beschlag nehmen, angeblich„weil es den Zoll verfahren hatte," in der That aber wohl nur aus merkantilistischenGründen. (Wisse!, Fr. v., Versuch rc. von den Zöllen. Zelle 1771. S. 83.)

So sehen wir also die Meinung, daß die Gelbausfuhr einem Lande schädlich wer-den könne, schon vorlängst gehegt; nirgends aber zeigt sich vor der Mitte des 17. Jahr-hunderts ein systematischer Zusammenhang der darauf bezüglichen Ideen und eine imVolke selbst herrschende Eingenommenheit davon. Immer waren es nur Einzelne, diezu dieser Betrachtung sich erhoben; die große Menge des Volkes verhielt sich derSache gegenüber gleichgiltig, bis zur gedachten Zeit Regenten und Regierte ein leb-haftes Interesse daran offenbarte».