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Die technische Bildung im Kaiserthume Oesterreich : ein Beitrag zur Geschichte der Industrie und des Handels / von Dr. Herm. Ign. Bidermann
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Die gebräuchliche Verweisung auf der Volksmenge Wachsthumreicht nicht hin, dieß zu erklären. — Denn abgesehen davon, daß dieBevölkerung jener Gebiete, welche den nunmehrigen Territorialbestanddes Kaiserthums Oesterreich bilden, damals in Folge grassirender Seu-chen und wüthender Kriege thatsächlich eher im Ab- als im Zuneh-men begriffen war ff, würde die Vertheilung der flottirenden Geldmenge

Ein Beispiel der Entvölkerung, welche kriegerischen Tumulten zufolgeeintrat, lieferte namentlich Wien und dessen Umgebung zur Zeit des letzten Türken-einfalls in Oesterreich. Ein landesfürstl. Patent vom 12. Februar 1684 (OcxloxLustrine. D. I. x. 438 lütt. II) klagt über die Verwüstung und Depopulation, welchedem Lande Oesterreich unter der Enns durch den feindlichen „Türkischen Einfall"dergestalt widerfahren sei, „daß an der Mannschaft, sonderlich der Handwerker, alsncmlichen der Zimmerleuthen, Maurern, Steinmetzen, Stuckatorern, Glasern, Tischlern,Haffnern und Schlossern ein großer Mangel bey der Stadt Wien und auf dem Landeerscheine; wie dann die Meisten so entweders von dem grausamen Erbfeind nicht nie-dergehauen oder in die Dienstbarkeit hinweg geführt worden, nach und nach dahingestorben seynd oder sich sonst auff eine Zeit verlosten haben."

Eine ausführliche Darstellung dieser traurigen Begebenheiten findet sich in dervon Kaltenbäck redigirten Oesterreichischen Zeitschrift für Geschichts- und Staats-kunde (Jahrgang 1837). — Löbmen war noch von den Zeiten der Religionskriegeunter Kaiser Ferdinand II. her entvölkert. Dasselbe gilt von Steiermark, inwelches Herzvgthum die Türken von 1396 bis 1662 nicht weniger als fünfzehn Maleraubend und mordend eingefallen waren. (Hammer-Purgstall; die Gallerien auf derNieggersburg. II. Th. S. 153. Darmstadt 1845.)

Wie viele Menschen um das Jahr 1700 durch Seuchen waren hinweggerafftworden, mag aus folgenden Angaben ersehen werden. — Im Jahre 1640 zählte Olmütz30,000 Einwohner, im Jahre 1650 nur mehr 1675; im Jahre 1712 circa 6000 in derStadt selbst und 1216 in den Vorstädten. (Fischer, Jos., Gesch. der kgl. Hauptstadt,und Grenzfestung Olmütz. Olmütz 1808. II. Th. S. 65.) In Wien starben während dergroßen Pest im Jahre 1679 vom Jänner bis Ende November 122,849 Menschen, undwenn auch Hormayr, dem wir diese Mittheilung verdanken (Geschichte Wiens 4 Bd. S.148, 149), beisetzt, „anderthalb Jahre später sei keine Spur dieser Entvölkerung mehrwahrnehmbar gewesen," so drängen sich uns doch mächtige Zweifel an der Möglichkeiteines so schnellen Ersatzes auf. —

Ueber die Verheerungen, welche die Pest in den Jahren 1708 bis 1713 in Sie-benbürgen, in Ungaren und im Erzherzogthume Oesterreich anrichtete, gibt Per en-de rg's: „Historik kostis" (Sarins 1716) mancherlei Aufschlüsse. In Mähren ver-ödete diese Seuche — wie Joh. Lukschein seinem Buche über die besonderenRechte der Personen Mährens und Schlesiens (Brünn, I8l5. II. Tb. S. 40) berichtet— weite Strecken fruchtbaren Landes. — Hinsichtlich Tirols vermögen wir mehr insEinzelne gehende Daten zu liefern. Nach des Kellermeisters Lobewein Chronik vonMeran (deren Kenntniß wir der Güte des Herrn Professors an der Wiener Univer-sität Albert Jäger verdanken), herrschte die Pest an diesem Orte während der Jahre1625 bis 1636 auf eine überaus heftige Weise, Im Jahre 1635 wurde — wie die Zan-