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Die technische Bildung im Kaiserthume Oesterreich : ein Beitrag zur Geschichte der Industrie und des Handels / von Dr. Herm. Ign. Bidermann
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allein ohnmächtig nnd rathlos wie der Einzelne für sich von Na-tur aus stets es ist waren sie eine derartige Repristination zu er-

fülle begriffen, doch laut dieser Schrift noch von ziemlicher Bedeutung. Gleiches giltvon der Spitzenklöppelei in Böhmen zu Hvrneck's Zeit.

Die Seidenfabrikation zu Roveredo hatte bereits um das Jahr 1582 einesolche Ausdehnung erlangt, daß der Vcnetianer Hieronymus Savioli in diesem Jahredort eine Seidenhandlung etablirte. Mskpt. der Libl. Dir. im Ferdinandum zuInnsbruck. Bald darauf errichtete dort ein Nürnberger Kaufmann, Joh. Vvlkamcr,auf eigene Rechnung eine großartige Seidenzeugfabrik, deren Rentabilität zu weitererNachahmung einlud. Die Kunst der Seidenfärberei gedieh dort zu solcher Vollkom-menheit, daß im Jahre 1726 ein Lehrmeister darin von dort selbst nach Sardinien be-rufe» wurden. di uvoloue, mviiwirs sur Iss proZräs äo I'LgrieuItui-s sre. p. 34.

Die Sammete vo» Ala (in Südtirol) waren um das Jahr 1660 im südlichenDeutschland schon sehr gesucht, nachdem kaum zwanzig Jahre früher auf Veranlassungdes damaligen Pfarrers zu Ala, Alphons Bonacguisti, mit deren Erzeugung begonnenworden war. Um das Jahr 1700 regte sich ein solcher Begehr darnach, daß diedeutschen Kaufleute den Fabrikanten große Summen Geldes im Voraus, d. h. bevornoch die bestellten Zeuge gewoben waren, zusandten, um nur welche schleunig zu er-halten. Gegen das Jahr 1740 zählte man in Ala über 300 Sammetwebestühle.Die Diten: Enravsttn, LmZolini, Lsrnnräi und iksrrsri genoßen eines ausgebrei-teten Rufes. Mehr als 300 Familien zogen aus der Beschäftigung mit dem Sammet-weben ihren Unterhalt.. Sammler für Geschichten, s. w. von Tiro!. 4. Bd.

Ei» Jglauer Tuchmacher Namens Dobrauer verfertigte nach ä'LIvert's Gesch.von Jglan (Brunn 1850, S. 419) im I. 1596 zuerst die unter dem Namen Loz-bekannte Tuchsorte. Böhmisches Tuch wurde bereits um das Jahr 1470 vonhanseatischen Kaufleuten nach dem Norden verführt. Bnr meist er, Dr. C. H.,Beiträge zur Geschichte Europas im 16 Jahrhunderte; Rostock 1843. S. 144.Und dasern die Deutung, welche Klöden in seiner SchriftUeber die Stellungdes Kaufmanns während des Mittelalters" (Berlin 1841. S. 34) einer schwer ent-zifferbaren Stelle der Goslar'schen Statuten gibt, die richtige ist: so kam böhmi-sches Tuch schon vordem I. 1359 auf dem Markte zu Goslar als Handelsartikel vor.

B ö hm e n genoß auch in gastronomischer Beziehung im Beginne des 16. Jhdts.weit und breit ein vorzügliches Renommee. So wurden wie Dr. Wilh. Haveinannin seiner Monographie über die Herzogin Elisabeth von Braunschweig-Lüneburg (Göt-tingen 1839. S. 12) erzählt um das Jahr 1530 böhmische Pfefferkuchen am Hofedes Herzogs von Braunschweig-Lüneburg mit Vorliebe genossen, und als KönigFerdinand I. im Jahre 1547 zu Augsburg residirte, berief er Budweiser Braueran sein Hoflager, um dort mit gutem Biergebräu versehen zu sein. Kurz gefaßteChronik von Budweis von Fr. Ser. Geyser nach einem Manuskripte Franz Lav.Jllirgs; Budweis 1841. S. 83.

Böhmen hatte ferner bis gegen das Ende des 17. Jhdts. treffliche Blech-schmiede und Smaltefabriken auszuweisen. Der Engländer Aarranton erklärt in seiner1698 zu Gent erjchienenen SchriftDuAlauäs improvsiiisnt bz? oen null Irwll" un-umwunden die Böhmen für die Erfinder des Blechs. Noch mehr aber excellirten inBeziehung auf Montanindustrie Steiermark und Tirol. Bremer Kaufleute hielten