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Endlich hatten eben diese unmäßigen Steueransprüche zur Folge,daß etwelche Geld-Reservoirs, aus welchen besagte Quellen ihr blankesFluidum bezogen, allmälig gänzlich vertrockneten und versiegten, während
Das wäre ein Elendt! — Was der Äccis ist, das weiß B öhm erlaubtschon zu sagen, nachdem er 1709 unter Kaiser Joseph I. eingeführt; 1714 aberdurch Carl VI, wieder aufgehoben worden. Während dieser Dauer: da wurdenBettelleulh!" - Kaiser Joseph I. verkannte auch keineswegs den miserablen Zustand,in welchem Land und Leute der maßlosen Abgaben halber schmachteten. Unterm7. November 1705 schrieb er darüber an den Probst Andreas Fabrlclus zu Cbotle-schau: daß, nachdem das Kriegserforderniß „weder durch Oräinari- und extra-»rämari Kontribution und krsestationes der Länder noch durch seine eigenen Ca-meralgefälle mehr erschwungen werden könnte, er sein gnädigstes Vertrauen ein-zig auf „loouxlststlones partieulares" (gleichwie es 1688 und 1702 geschehen)setze. (Oesterr. Zeitschr, für Geschichte und Staatskunde vom Jahre 1837 Nr, 34S. 135.) — Das eingerissene Elend zu mildern, errichtete er mit Patent vom 14.März 1707 ein Versatzamt in Wien, das den Worten des Patentes zufolge dieBestimmung hatte: dem „durch die Kriegsbeiträge in Schuldenlasten gerathenen undin seinem Credite geschwächten Unterthan" wieder aufzuhelfen, indem es ihm Gelegen-heit bot, gegen Verpfändung seiner „Habseligkeiten" um geringe Zinsen, Geld dar-geliehen zu erhalten. Der Zudrang zu diesem öffentlichen Institute war so heftig,daß mit Patent vom 2. März 1713 die Creditbewilligung erweitert und an leichtererfüllbare Bedingungen geknüpft werden mußte, sollte anders nicht dessen gemeinnützi-ger Zweck tbeilweise unerreicht bleiben. — (Franks. Relat. oontin. nutuinn. x. 1707und 1713.)
War dieß die Lage, in welcher der ärmere Tbeil der Bevölkerung Wiens undseiner Umgebung, dem es doch bei der Belebtheit des dortigen Verkehres nicht anRessourcen gebrach, sich befand: welchem Loose mußte erst die, solcher entbehrende Alpen-bevölkerung sich überantwortet sehen? Handschriftlich vorhandene Berichte aus Kitz-bühl und aus den: Patznaunertbale in Tirol (also aus je einem der äußersten Grenz-bezirke dieser Provinz) melden übereinstimmend, daß eine an Verzweiflung grenzendeVerzagtheit sich der Leute bemächtigt hatte; und einem Berichte des kaiserlichen Ge-sandten am großbritannischen Hofe vom I. 1709 an die oberste Hofstelle in politiois,welcher im Auszuge auch der Regierungsbehörde zu Innsbruck mitgetheilt wurde undim dortigen Regierungsarchlve hinterlegt ist, entnehmen wir, daß den der Heimatüberdrüssigen Pfälzern, die damals nach Amerika lransmigrirten, auch Tiroler sichbeigesellt haben. Kein Wunder daher, daß die Mebrzabl derjenigen, welche bis dabindurch splendide Ankäufe Gewerbsleute aller Art in Verdienst gesetzt hatten, nunmehr,wenn es um den Ankauf von Gcwerbserzeugnissen sich bandelte, knauserte und knickte,und daß darüber der einzelne Handwerker finanziell zu Grunde ging.
DMvert führt in seiner Geschichte und Beschreibung der Stadt Jglau inMähren (Brünn, 1850) a», daß es um das Jahr 1668 in dieser Stadt viele Bür-ger gab, die außer Stand waren, als Handwerksmeister sich fortzubringen und daherum Tagelohn die gemeinsten Dienste verrichteten. Aehnliches ergab sich in der böh-mischen Stadt Kommotau. — Die oben bereits angezogene Chronik derselben wirst