m Anspruch genommen worden und ergoß sich statt wie früher in denSäckel des Bürgers, nun in die Kassen der Regierung").
Und derlei Klage» ertönte» — was wobl zu berücksichtigen ist -- »ach vorden, Edikte von Nantes, das Frankreichs Industrie ihrer festesten Stützen und bestenKräfte beraubte. Zu Nheims allein verminderten sich die Stüble der dortigen Tuch-manufaktur von 1688 auf 1693 um 862! — Poppe. a. O. I. L. S. 252. —
Die französischen Manufakturen erhalten sich nur theilweise und langsam vandem Schlage, den das erwähnte Edikt ihnen zugefügt hatte. Nach im Jabre 1764wurde in der zu Amsterdam erschienenen Schrift „Ds ne^ooiauts oiwz-sn" die Be-fürchtung geäußert: es möchte» die von Preußen „encouragirten" Artisten den Fran-zosen die Prärogative des Tvnangcbcns in Modesachen („äs äouusr Is ton pour Issrnoäes") streitig machen! Solche Mahnrufe offenbaren oft mehr als dickleibige Quar-tanten voll tendenziöser Betrachtungen.
Mit welcher Wucht die öffentliche Contributionspflicht während der zweitenHälfte des 17. und im Beginne des 18. Jahrhunderts mehr oder minder auf allenProvinzen Oesterreichs lastete, erhellt aus den kläglichen Betrachtungen und Aeuße-rungen darüber, welche uns durch cantcmporärc Berichte und Aufzeichnungen über-liefert worden sind; deutlicher aber noch aus verschiedenen Maßregeln, welche dieRegierung zu ergreifen nöthig fand. Schon im Jahre 1655 hatte sie ein strengesEdikt wider die Auswanderung aus dem Erzherzogtbume Oesterreich publicirt und dieGrenzbeamten angewiesen, Niemanden ohne „absonderlichen Paß" die Grenze land-auswärts überschreiten zu lassen. (Franks. Relat. vom I. 1655.) Eine solche Ver-fügung war auch in der That unentbehrlich, um die Steuerpflichtigen, deren Geduldund Vermögen nahe daran waren, durch die gehäuften Auflagen auf wirkliche undimaginäre Bedürfnisse, auf Seidenwaaren und Schuhe, auf Kleinodien und Lehenpferde,auf alle Lohnkutschen, auf jeden Nauchfang und auf jeden Eimer Weines erschöpft zuwerden, bei Haus und Hof zurückzuhalten. (Hormayr Gesch. WienS; 4. B. S. 97).Indessen kam noch Aergeres. Von 1650 bis 1710 wechselten in bunter Aufeinander-folge Jmposten auf Vieh, Leder, Fleisch, Papier und Tabak, anf Straßenbenützungund Weinausfuhr, auf Salzgenuß und Tanzvergnügen, auf Handelsbefugniß undKapitalbefitz. Die Grundsteuer wurde verdoppelt und verdreifacht, und neben der„Oräinari". auch noch eine „Lxtraorcklnnri" - Steuer erhoben. Wo der Vorrath augemünztem Metalle nicht ausreichte, das Steuerbetrcffniß zu bezahlen, da wurde nachsilbernem Tafelgeschirr und nach goldenem Schmucke gegriffen. Verweigerte der Be-sitzer die Herausgabe, so wurde er der Besitzrechte verlustig erklärt und ihm seineHabe gewaltsam- entzogen. — Eine Empfangsbestätigung war das einzige Äqui-valent dafür. — Deßhalb gab es aber auch um das Jahr 1700 kaum eine Stadtim weiten Bereiche der Monarchie, die nicht auf Jahrzehende hinaus tief verschuldetund theilweise verarmt gewesen wäre. — So zählte Jglau im Jahre 1719 unter6246 Bewohnern, 386 Bettler, und eine Chronik der böhmischen Stadt Kommotau,(welche Chronik im Besitze des Dozenten an der Göttinger Universität, Dr. Rößlersich befindet und von diesem uns freundschaftlichst zur Durchsicht überlassen wurde)bemerkt zum Jahre 1753: ,,Jst große Lamendation in Kommotau und gantzem Böbmer-landt von wegen des Accis, als welche soll wiederum aufkommen und in Böhmeneingeführt werden, folglich nach Sächsischer Mode und Arth Alles veraccisirt werden.
Ilr. Bidermann'S tech». Bildung. 2