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Die technische Bildung im Kaiserthume Oesterreich : ein Beitrag zur Geschichte der Industrie und des Handels / von Dr. Herm. Ign. Bidermann
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Unbedingt sei demnach zu verbieten, baß Produkte, die im Landtselbst in hinreichender Menge zu haben sind, von auswärts hereingebrachtwerden und dieß habe selbst für den Fall zu gelten, als die inländischenWaaren schlechter an Güte oder höher im Preise sein sollten, als diefremden. (S. 37.)

Es liege am Tage, wie viel Oesterreich durch die Selbstver-arbeitung seiner eigenen Rohprodukte nicht nur unmittelbar (durch Ent-behrlichmachung der ausländischen Fabrikate), sondern auch indirekt (durchden Hereintausch edler Metalle, die dann allerdings wieder ins Aus-land verwendet werden könnten) zu gewinnen vermöchte. (S. 150.)

Was schadete es auch, wenn die also erzeugten Waaren höher zustehen kämen, als die auswärts fabricirten?

Das Ausland schenke uns ja doch auch nichts dabei, und schönersei es, dem eigenen, als einem fremden Lande Opfer zu bringen. (S. 185.)

Der Staat könne mit einem reichen Manne verglichen werden,der sein Geld in vielen Beuteln hat. Wenn er aus dem einen etwasherausnimmt, um es in den anderen zu legen, so werde er darob nichtärmer. Der eine Beutel verliere nur, was der andere gewinnt; derStaat aber bleibe im Besitze der ganzen Summe." (S. 186.)

8- 5.

Wie beifällig die Regierung Oesterreichs diesen Reflexionen sichzeigte und wie sehr sie deren Beachtung sich angelegen sein ließ, be-weist nicht nur der Inhalt der oben citirten kaiserlichen Patente, sondernauch eine zahllose Menge von Einrichtungen und Vorkehrungen, derenleicht erkennliches Ziel die Verwirklichung jenes volkswirthschastlichenZustandes war, welchen Horueck als Ideal bezeichnet und empfohlenhatte. Vieles mag hiezu der vorausgegangene persönliche EinflußBecher's beigetragen haben, der von denselben Ansichten geleitet, welcheHorneck nachmals publicirte, (und daher auch als der ursprünglicheAutor des Horneck'schen Buches vermuthet) während der Jahre 1666 1678 unter dem Kammer-Präsidenten Georg Ludwig R. Graf vonSinzendorf als kaiserlicher Commerzienrath sungirte und in dem zuWien damals neu errichteten Commerzien-Collegium Sitz und Stimmegenoß. Namentlich sind einzelne Vorschläge, deren Reälistrung indie Regiernngs-Periode Kaiser Leopold's fällt, wie z. B. das Projektderauszurichtenden Seiden-Manufakturen" dem kaiserlichen Hofe zuerstvon ihm erstattet worden, und wenn gleich dieser sonderbaren, zwischenCharlatan und Gelehrtem die Mitte haltende Mann bald nach seiner