28
technische Bildung für nebenbei überflüssig zu erachten, ist eben soirrthümlich wie verderblich in seinen Folgen.
Denn abgesehen von der, maßlose Prätensionen erzeugenden Ver-zärtelung der arbeitenden Klasse, welche das System der einseitigenProtektion — wie wir es nennen möchten —- nach sich ziebt, zahlensämmtliche Consumirende — und wer im Staate ist nicht Consument?— was sie bei der Vernachlässigung der gewerblichen Bildung vonStaatswegen an Steuern ersparen, wohl doppelt und dreifach an dieProducenten zur unerläßlichen Entschädigung für einen Sach- undKraftaufwand, der, an sich unnothwendig, Hinwegfallen und sonachauch nicht länger mehr zu compensiren sein würde, sobald die arbeitendeKlasse der Qualität des zu Erzeugenden unbeschadet denselben zu vermei-den gelehrt, d. h. technisch gebildet werden wollte.
Je weniger nun eben in Oesterreich vor dem Jahre 1770 für diegewerbliche Bildung geschah, auf um so drückendere Weise äußerten sichdie vorerörterten und sonstigen natürlichen Konsequenzen des dort be-folgten Prohibitiv - Systems, und frühzeitig schon wurden Klagen dar-über laut.
Die Stände der gefürsteten Grafschaft Tirol beschwerten sich dar-über bereits im Jahre 1729 bei Gelegenheit eines Majestätsrecurseswider die Eröffnung des „Triestischen Meerports;" noch energischeraber zwanzig Jahre später (1749) in einer Vorstellung wider drei l. f.Mandate (vom 2. Februar 1734, vom 12. und vom 25. September1749), kraft welcher vielerlei fremde Waaren außer Handel gesetzt undfür schlechterdings unzulässig erklärt wurden, auf daß — wie es inEinem der citirten Mandate heißt — „einerseits der Auslanf des Geldesvermieden, andererseits aber unseren einheimischen Manufakturen aufge-holfen, mithin der Nahrnngs- und Contributionsstand verbessert werde."Angesichts dieser Mandate erklärten sie unumwunden: „daß die Einpußdes Commercii etwa mittelst Aufrichtung von Fabriquen zu ersetzen, umso minder thunlich sein dürfte, als berödte Fabriquen (da die Waa-ren in äußeren Landen wegen des alldorten mehrer fruchtbaren Erd-reichs und der andnrch nothwendig folgenden größeren Wohlfeiligkeitum einen weit geringeren Preis fabricirt werden können, auch Materialienund tüchtige Werkmeister fehlen) zu besonderem Nutzen schwer-lich gereichen, allenfalls aber hauptsächlich nur dem Fa-brikanten und keineswegs dem Landmanne vil ein-tragen dörfften."
Was ihnen, die doch noch kurz vorher (im Jahre 1716 nämlich»