Buch 
Die technische Bildung im Kaiserthume Oesterreich : ein Beitrag zur Geschichte der Industrie und des Handels / von Dr. Herm. Ign. Bidermann
Entstehung
Seite
31
JPEG-Download
 

31

Das Vertrauen der Regierung in die Heilsamkeit des Sperr-systems scheint überhaupt durch diese und ähnliche Vorgänge in Etwaserschüttert und wankend gemacht worden zu sein. Mindestens beschloßsie sofort sachverständige Gewerbsleute und landeskundige Verwaltnngs-beamte über die Mittel: „das Manufakturwesen zu heben," zu Rathezu ziehen und nach Maßgabe der also eingeholten Berichte vorzugehen.

8- 7.

Für Tirol ward im Jahre 1761 der dortländliche GubernialrathJoseph von Laicharding mit dem dießfälligen Referate betraut.

Wir sind zwar nicht in der Lage, die volle Tragweite des im Julidieses Jahres durch ihn erstatteten Uromemorin's und namentlich dessenetwaigen Einfluß auf das Verhalten der Regierung den anderen Pro-vinzen gegenüber zu ermessen; glauben aber, daß dessen Inhalt immer-hin hier auszugsweise mitgetheilt zu werden verdient.

Laich arding spricht darin seine Verwunderung über den Geld-vorrats) aus, dessen sich Tirol noch immer erfreue, obschon für Getreideund Waaren enorme Summen aus dem Lande flößen und gesteht, ervermöge sich diese Erscheinung und die damit zusammenhangende Con-tribntionsfähigkeit des Landes einzig nur aus dem Ertrage der Berg-werke zu erklären. Zwar sei die Seidenmanufaktur zu Trient „in ihrerArt ziemlich weit gekommen" und die Seidenfärberei habe dort Dankdem dazu vorzüglich geeigneten Wasser des Baches il I-sno eine großeVollkommenheit erreicht; auch gäbe es Schnupftabakfabriken zu Trient,Innsbruck und Roveredo, und die Fabrikation von Eisenwaaren imStubei, das Sensen-Schmieden, die Lodenweberei im Tarn-, Scknalser-und Loitaschthale, die Leinwandfabrik zu Silz, die Stickerei zu Schwatz,die Decken- und Hutmacherei im Tefereggerthale, die Säcklerarbeit undHandschuhnähterei zu Innsbruck, das Bilder- und Holz-Rahmenschnitzenim Grödnertbale, das Leinwandfärben zu Bozen und die Messingdraht-Fabrik bei Rattenberg beschäftigten und ernähreten allerdings einegroße Menge Volkes; allein alle diese Unternehmungen reichten nochlange nicht hin, des Landes Wohlfahrt dauernd zu begründen. NeueFabriken müßten errichtet, neue Mannfakturzweige cultivirt und auf-erzogen werden. — An Fleiß und „Gelehrigkeit" fehle es den In-

der sie getroffen hatte und sie aufrecht zu erhalten bemüht war, entkräftete alle Ein-würfe und Bedenken. — (Ranke Leop., Histor. politische Zeitschrift, II. B. Berlin1833-1836. S. 70Y u. f.)