V orwort.
XIII
Schrift wenig entgegengetreten, die überhaupt in sehr altvaterischemGeiste ') verfasst ist, und grosse Ueberwindung erfordert, um sie znlesen 2 )”.
„Von diesen dem Gebiete der Geometrie angchörendon Partiennun aber ganz abgesehen bemerkte ich hauptsächlich Folgendes:Aufs. 150 3 ) sagt der Verfasser: „Am meisten bekannt ist wohlTschirnhaus durch seine Theorie der Brennlinien geworden”.
„Dies ist, was namentlich die neueste Zeit betrifft, vom mathe-matischen Standpunkte aus betrachtet, jedenfalls ein grosser Irrthum 4 ).■Bekannt und wahrhaft berühmt auf mathematischem Gebiete istTschirnhaus durch seine Arbeiten über die Gleichungen geworden;hier hat er eine wirkliche Erfindung gemacht, deren Wichtigkeithaupt-
*) Prof. Gruncrt, der bekanntlich bei Gelegenheit zweier Recensionen inThcil 24 seines Archivs (Literarischer Bericht XCIII, pag. 2 und 3; LiterarischerBericht XCIV, pag. 2 und 3) in recht geschmackvollen und für die Mittel, die eranzuwenden gedenkt, bezeichnenden Auslassungen sich als Verfechter und Ver-breiter von Cauchy’s Grenzmethode hingestellt und den übrigen Methoden derhöheren Analysis einen Vernichtungskrieg angesagt hat, ist vermuthlich unangenehmdavon berührt worden, dass, abgesehen von Cavalleri's Lehre vom Untbeilbaren(pag. 71—76), auch die Methode des Unendlichkleinen (pag. 82, 150, 162) ihmin vorliegender Schrift eutgegengetreten ist. Bei der Gründlichkeit, mit welcherric Prof. Gruncrt augenscheinlich gelesen liat, hat derselbe wohl nur nicht be-merkt, dass dies nicht die von mir, sondern die von mir rein objoctiv hingostelltc,V( >n Leibniz und Tschirnhaus befolgte Methode ist, und dass sic von mir nurda angewandt wird, wo ich, gerade in ihren Geist eingehend (was ja Prof. Gruncrtselbst verlangt) Sätze und Regeln, die sie aufgestellt haben, erläutere. Dass aberTschirnhaus und Lcibniz noch in „altvaterischen” Vorstellungen befangen waren,ist, dünkt mich, docli nicht meine Schuld, sondern liegt lediglich an dem Um-stande, dass sie, wie auch die BernoullPs, Euler u. A., das bcklagenswerthc Schick-sal hatten, zu einer Zeit zu leben, wo sie Prof. Grunert’s oben erwähnte Aufsätzenicht lesen und aus ihnen die nöthige Belehrung und Erleuchtung schöpfen konnten,so dass sic leider bei der Methode des Unendlichklcinen verharrten, der man dennauch, selbst wenn man sie nicht zu der »einigen macht, ihre historische Berech-tigung nicht absprechen kann. l)er Hieb also, den Prof. Grunert in seinem Gut-achten führt, trifft, wie derselbe in seinem Eifer wohl übersehen hat, nicht mich.
2 ) Feh raume gern ein, dass der mathematische Thcil meiner Abhandlungnicht so leicht zu lesen ist, als die zwei und eine halbe hielier gehörigen Seitenin der gekrönten Preisschrift, und versichere, dass ich sogleich, als ich erfuhr,Brof. Gruncrt sei der Preisrichter, überzeugt war, derselbe werde sich, obschoner die Lectürc schier eigenen im Archive veröffentlichten Rechnungen Anderen‘loch unbedenklich zumuthet, euphemistisch ausgedrückt, nicht haben überwindenkönnen, die Abhandlung zu lesen, was in gewöhnlicher Kedoweisc bedeutet, der-selbe werde sie nicht gründlich gelesen haben.
3 ) Natürlich meiDt Professor Grunert: „pag. 150 des Manuscripts”, also pag.148 im Druck (vergl. auch pag. 1).
■*) ich spreche an der angezogenen Stelle auch nicht ausschliesslich oder auchnur vorzugsweise von dem, was in der neuesten Zeit an Tschirnhaus gewürdigtWorden ist, sondern von dem, was anderthalb Jahrhunderte lang bei der Mehr-zahl der Mathematiker über Tschirnhaus bekannt war. (Dass es einzelne .gab, dieetwas mehr von ihm wussten, versteht sich von selbst, ändert aber meine obenangeführte allgemeine Behauptung nicht.) Dass ich übrigens auch die in neuesterZeit an Tschirnhaus hervorgehobenen Verdienste kenne und schätze, weuu auchnicht so hoch, als Prof. Grunert in obigem Gutachten, hätte derselbe aus demSchlüsse des §. 10 und aus §.16 ersehen können.