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Lebensbeschreibung des Ehrenfr. Walther v. Tschirnhaus auf Kiesslingswalde und Würdigung seiner Verdienste : mit einem Vorwort über Prof. J.A. Grunert als Preisrichter / von Dr. Hermann Weissenborn
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Vorwort.

haus betrachtet werden muss, weshalb auch S e r r e t dieselbe a. a. 0.,pag. 462 geradezu:TJne application de la methode de Tschirnhausnennt (also ein grosser Theil des Ruhms, den Jerrard sich neuerlichsterworben, auf unsern Tschirnhaus zurückfallt und demselben zu Gutekommt')). Legte der Verfasser nicht zu grosse Unkenntniss aller

*) Zweierlei dürfte aus dem in obigem Gutachten von Prof. Grunert Aus-gesprochenen unzweifelhaft hervorgehen, einmal, dass derselbe TschirnhausonsTheorie der Gleichungen einen sehr hohen Werth beilegt, zweitens, dass derselbedurch die Anwendung von Ausdrücken, wieunser Landsmann*,unser Tschirn-haus indirect mir den Vorwurf macht, als habe ich die Verdienste Tschirnhausonsnicht gebührend gewürdigt, obgleich derselbe ein Landsmann war. Untersuchenwir nun dieso Ansicht Prof. Grunerts in diesen beiden Beziehungen genauer!Zunächst wird Jedermann einräumen, der geeignetste Ort, etwaige Verdiensteunseres Landsmanns zu weiterer Verbreitung und Anerkennung zu bringen, seieine Zeitschrift, wie das Grunert'sehe Archiv, und ebenso dürfte mir Jeder zu-gestehen, in dieser Beziehung die nöthigen Schritte zu thun, sei gerade die SacheProf. Grunerts gewesen, der ja Ehrenmitglied der Obcrlausitzischen Gesellschaftist, Richter über die betreifende Preisaufgabe war, und diese selbst in seinemArchiv bekannt gemacht hat. Füglich also wäre man wohl zu erwarten berechtigtgewesen, Prof. Grunert würde schon längst (um in seinem Stil zu reden) sichbeeilt haben auf diese hochwichtige Erfindung unseres berühmten Landsmannswenigstens vorläufig recht sehr aufmerksam zu machen. Es ist daher jedenfallssehr auffallend und eigcnthümlich, dass Prof. Grunert über Tschirnhausens Theorieder Gleichungen, die doch vongrosser Bedeutung, und durch die Tschirnhauswahrhaft berühmt geworden ist, erst in dem schon oben erwähnten (s. pag. XIV,Anmerkung 2)) Aufsatze in Theil 40, Heft 2 des Archivs 18Ö3:Hie Methodenvon Tschirnhaus und Jerrard zur Transformation der Gleichungen Mittheilungmacht, also zu einer Zeit, wo der Termin für die Evrdieferung der Preisschrift(der 31. Januar 1863) schon abgelaufen , meine Abhandlung bereits an dieOberlausitzische Gesellschaft abgeliefert war , und sich auch schon in den Hän-den Prof. Grunert8 befinden hatte. (Dass sich dies so verhalt, geht daraushervor, dass in dem zum 2. Heft von Theil 40 gehörigen Literarischen Be-richt CLVIU, pag. 2 der am 16. April 1863 orfolgte Tod Redtenbachers an-gezeigt ist, während dieses obige Gutachten, wie man sieht, vom 9. März 1863datirt ist). Abgesehen nun davon, dass unter solchen Umständen ich den betreffen-den Aufsatz Prof. Grunerts zu meiner Arbeit nicht mehr benutzen konnte, liegteinestheils der Gedanke nicht allzufern, Prof. Grunert habe um die Zeit, als meineAbhandlnng bei ihm cinging, sich zum Zwecke des betreffenden Aufsatzes imArchiv gerade mit den neuesten Erweiterungen von Tschirnhausens Theorie derGleichungen genauer befasst, zu dem Zwecke gerade zu jener Zeit die einschlagendeLiteratur gesammelt und nun gerade auf diesen Theil meiner Arbeit ein ganzbesonderes Gewicht zu legen sich veranlasst gefunden, während er unter anderenUmständen vielleicht einen der anderen Abschnitte, über die es ihm jetzt beliebtin Bausch und Bogen abzuurtheilen, unter Anführung der dahin gehörigen Lite-ratur betont haben würde. Anderentheils dürfte man aus dem Umstande, dass,wahrend Schlömilch über die betreffende Methode bereits im Jahrgang 1855 seinerZeitschrift berichtet hat, Prof. Grunert dies erst vier Jahre später und nachEinreichung und Beurtheilung der Preisschrift thut, wohl zu schliessen be-rechtigt sein, dass Tschirnhausens Theorie bis dahin Prof. Grunert doch nichtvon dergrossen Bedeutung erschienen sein möge, wie er in seinem Gutachtenbehauptet. Auch mag Prof. Gruneit dies wohl selbst gefühlt haben, denn ersucht in dem mehrerwähnten Aufsätze in Theil 40, Heft 2 des Archivs,pag. 215, seine Verspätung zu entschuldigen mit den Worten:Die grosseWichtigkeit dieser Gegenstände und die immer weitere Ausbildung und Ver-vollkommnung der betreffenden Untersuchungen in neuester Zeit geben mir