Vorwort.
XIX
von Lavagna [Sulla determinazione doi coeflioienti della trasformatadi Tschirnaus: applicazione alla ridotta (auch hier heisst es also:»ridotta” [reducirte oder transformirte]) di Jerrard dell’ Equazionegenerale di quinto grado in den Annali di Hatematica pura et ap-plicata. Luglio e Agosto 1858 , pag. 238 ] würde ihm Veranlassung
Gute kommt”, heisst es im Archiv, pag. 224, offenbar bei weitem weniger zu-versichtlich von der Methode Jerrard’s: „die aber ohne die Methode von Tschirn-haus im Allgemeinen nicht verständlich ist und deren genaue Kenntniss voraus-setzt”. Während so der Leser des obigen Gutachtens und des Aufsatzes im Theil40des Archivs in peinlicher Ungewissheit schwebt, wem denn nun eigentlich dergrössere Antheil des Ruhmes gebühre, Tschirnhaus oder Jerrard, ist die Ueber-raschung fast eino wohlthuende zu nennen, mit welcher derselbe in dem nämlichenfheile 40 des Archivs, pag. 515, die fett gedruckte „ wichtige historische Mittheilung"des Prof. Grunert entdeckt, dass, wie letzterer von „Dr. Lindman in Strengnäsin Schweden” „vor Kurzem” erfahren, die Jcrrard’sclie Transformation schon imVorigen Jahrhundert, 1786, in Schweden von Erland Samuel Bring gemacht wor-den sei, indem Prof. Grunert hinzufügt: „es wird daher nur Gerechtigkeit geübt,wenn man die Reduction der Gleichungen fünften Grades auf die obige Porm vonjetzt an: „Die Bring'sclie Transformation der Gleichungen des fünften Gradesnennt, wie ich von jetzt an in diesem Archiv thun werde”. Als Grund dafür giebtProf. Grunert an: „belegt man aber einen mathematischen Satz oder eine mathema-tische Methode mit dem Namen eines Erfinders, so soll dies nach meiner Meinungimmer der erste sein, der, welcher den Grundgedanken zuerst hatte”. Und, damitdies den Lesern des Archivs ja recht eingeprägt werde, wird in Theil 41 des Archivs,P a g. 105, nochmals mitgetheilt, dass diese Erfindung „von dem schwedischen Mathe-matiker Erland Samuel Bring " herrühre und also „unbedingt eine schwedische Er-findung ” sei. Nicht ohne Ueberraschung, ich wiederhole cs, sieht, Dank der „wich-tigen historischen Mittheilung ” des Prof. Grunert der Leser das fatale Dilemmagelöst, und ist natürlich vollkommen überzeugt, die Erlindung müsse nach dem „treff-lichen Bring” genannt werden, und weder nach dem „Engländer Jerrard”, noch nach„unserem Landsmann” Tschirnhaus, obschon letzterer hundert Jahre früher seinenAufsatz in den Act. Erudit. mitgetheilt und doch jedenfalls den „Grundgedanken zu-erst' gehabt hatte. Obgloich endlich in dem in Theil 40 des Archivs enthaltenenAufsätze „einige” Abhandlungen über die betreffende Theorie der Gleichungen vonProf. Grunert in Aussicht gestellt werden, ist doch nur die eine, Theil 40, pag. 214,erschienen und die Auflösung der Gleichungen fünften Grades von Hermite undBrioschi, die doch den Schlussstein der ganzen Lehre bildet, übergeht Prof. Grunertganz mit Stillschweigen, obschon eine Mittheilung hierüber den Lesern des Archivsgewiss wünschenswerter und interessanter geweson wäre, als z. B. die in Theil 42,Pag. 42, publicirte, in das Deutsche übersetzte, „Rede, gehalten bei der feierlichenEröffnung der Accadomia Scientifico-Letteraria und dos Istituto Tecnico Superiore211 Mailand vom Commendatoro Professore Francesco Brioschi". Doch die Leserdes Archivs werden schon lange bemerkt haben, dass Prof. Grunert der italieni-schen Literatur ganz besondere Aufmerksamkeit schenkt. So sind von den 403 Sei-tin, welche die Literarischen Berichte in Theil 39, 40, 41, 42, 43, 44; Theil 45 ,tieft 1 und 2 (ich greife nur heraus, was mir vom Archiv gerade zu Gebote steht),einnehmen, ungefähr 100 Seiten, also ein Viertel, unter Beifügung einer durchweglobenden Kritik, wo cino Kritik überhaupt statthaben kann, nur allein der italieni-schen Literatur gewidmet. So dankenswerth es nun auch ist, wenn in bibliogra-phischen Berichten auch neu erschienene ausländische Schriften angezeigt werden,ünd so sehr man es auch billigen wird, wenn ausländische, Epoche machende undBalm brechende, Werko auch in deutschen Zeitschriften besprochen werden und''Venn auch in diesen auf ihre Verbreitung hingewirkt wird, so ist doch das inGrunert’s Archiv bestellende Verhältniss ein solches, dass durch dasselbe derdeutschen mathematischen Literatur, die doch gewiss der italienischen und jederänderen ebenbürtig zur Soite steht, ein testimonium paupertatis ansgestellt wird,