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Lebensbeschreibung des Ehrenfr. Walther v. Tschirnhaus auf Kiesslingswalde und Würdigung seiner Verdienste : mit einem Vorwort über Prof. J.A. Grunert als Preisrichter / von Dr. Hermann Weissenborn
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Vorwort.

gegeben haben, sich mit der Methode von Tschirnhaus bekannt zumachen und dieselbe nach ihrem wahren "Werthe zu würdigen, wovonin dieser Schrift aber keine Spur vorhanden ist 1 ),

ein Nachtheil, der auch durch das für Prof. Grunert allerdings sehr schmeichel-hafte Bewusstsein,das weit verbreitete Archiv, wie es Prof. Grunert selbstmitgewohnter Bescheidenheit (s. Theil 22 des Archivs, Literar. Bericht LXXXVI,pag. 5) in Theil 33, Literar. Ber. CXXXII, pag. 8, genannt hat, werde gelesenvom Baltischen Meere bis zum Adriatischen, von der Skandinavischen Halbinsel(an welche sich ja für Greifswald historische Erinnerungen knüpfen) bis zurApenniuischen, nicht aufgewogen wird; und man darf wohl fragen, was z. B. inFrankreich geschehen würde, wenn in einer französischen Zeitschrift ein Vierteldes für literarische Besprechungen bestimmten Baumes mit Nachrichten nur überdeutsche "Werke, Gelehrte und Verhältnisse gefüllt würde. Wenn man ferner be-denkt, dass z. B. die Nekrologe der Italiener Bordoni und Carlini im Literar.Ber. CLVII und CLIX von Theil 40 des Archivs bezüglich 8 und 4 Seiten ein-nehmen, wahrend die Todesanzeigen unserer Landsleute Dirichlet und Joachims-thal bezüglich in Theil 33 und 36 je aus 5, die unseres Steiner in Theil 40 ausnicht ganz 13 Zeilen bestehen, wenn man sich ferner erinnert, wie wenig Prof.Grunert sich beeilt hat, die Arbeitenunseres Landsmanns Tschirnhaus zu all-gemeinerer Kenntniss zu bringen, wie sehr er sich dagegen beeilt, kurz nachdemer einen Theil des Ruhmes für Tschirnhaus beansprucht, auf eine Nachricht desDr. Lindman demselben seinenbesonderen verbindlichsten Dank für seine Mit-theilung zu sagen und die Transformation für eine schwedische Erfindung zuerklären, so darf man wohl sagen, der Versuch Prof. Grunerts', der Oberlausitzi-schen Gesellschaft gegenüber Tschirnhausens Verdienste so hoch anzuschlagen, wieer es in obigem Gutachten thut, und durch Ausdrücke, wieunser Landsmann,unser Tschirnhaus, seine patriotische Gesinnung zur Geltung zu bringen, seiein ebenso unglücklicher, als der, überphilosophisch- mathematischen GeistLehren und Winke geben zu wollen.

! ) Auf diese, wie ich gern zugobe, sehr zweckmässig angebrachte und lehr-reiche Vorlesung Prof. Grunerts antworte ich Folgendes: Wenn Jemand, wieTschirnhaus, ein neues Verfahren veröffentlicht, so hat er nach meinem Dafür-halten auch zu zeigen, dass dasselbe anwendbar und wie es anzuwenden ist.Tschirnhaus nun macht in den Act. Erud. 1863 pag. 204 unter der Ueberschrift:Methodus auferendi omnes terminos intermedios ex data aequatione, per D. T.einen Aufsatz bekannt, in dem er sagt, er sei im Besitze eines Verfahrens, ausjeder Gleichung alle Zwischenglieder (omnes terminos intermedios) herauszu-schaffen, wie Cartesius das zweite Glied wegschaffe. Er spricht sich dahin aus,man solle unter Anwendung einer Hülfsgleichung, die eraequatio assumta nenntund deren Form er angiebt, je nachdem man 2, 3, 4atque sic in infinituraGlieder wegzuschaffen beabsichtigt, die gegebene Gleichung in eine andere ver-wandeln und in dieser die Cocfficienten der herauszuschaffenden Potenzen der Un-bekannten so bestimmen, dass dieselben verschwinden. Ein allgemeines Verfahren,wie dies zu bewerkstelligen sei, giebt er nicht , sondern erläutert seine Methodean zwei Stellen an einem Beispiele, nämlich jedesmal an einer vollständigen cubi-schen Gleichung für x. Er will aus derselben zwei Glieder wegschaffen. Mansollte nun erwarten, er werde hier ohne weiteres diejenige seiner Hülfsgleichungenanwenden, die dieses leisten soll. Beide Male (pag. 205 und 206) aber thut diesTschirnhaus nicht, sondern er schafft erst nach dem bekannten Verfahren, rück-sichtlich dessen er sich auf Cartesius bezieht, das zweite Glied heraus, so dasser eine neue cubische Gleiehung für y erhalt, in welcher bereits das zweite Gliedfehlt f indem er dieses sein Verfahren entschuldigt mit den Worten:id quodequidem non opus est, sed saltem hic ob nimiam prolixitatem evitandam fit. Indiese neue Gleichung für y nun erst substituirt er die betreffende Hülfsgleichung,welche für y vom zweiten Grade ist, um auf diese Weise eine für z cubischeGleichung abzuleiten, in welcher zwei Glieder znm Verschwinden gebracht werdonkönnen. Bis zu diesem Punkte nun hat Tschirnhaus sein Verfahren genügend