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<§. 2. Sein Leben.
lehrt ward, und er bildete sich durch eigenes Studium weiter, sodass er noch während er das Gymnasium besuchte, Alsted’s Ency-clopädio und Kirclicr’s Werke für sich durchging. Auf Anratheneines Görlitzer Bathsherrn, Samens Hcgenetius, ward er sodann 1668,siebzehn Jahre alt, nach Leyden in Holland auf die Universität ge-schickt, um seine Studien fortzusetzen. Hier wüthote zu dieser Zeiteine pestartige Krankheit, welche fast alle Professoren hinwegraffteund auch Tschirnhäus befiel und dem Tode nahe brachte. Glücklichwieder licrgestellt nahm er die wissenschaftliche Beschäftigung wiederauf und lebte derselben, bis sie zum zweiten Haie unterbrochenwurde, indem im Jahre 1672 der Holländische Krieg ausbrach unddie Franzosen die Niederlande, insbesondere die Provinz Holland, inwelcher Leyden liegt, überschwemmten. Da beschloss er, ebenfallsdie Waffen gegen den Feind zu ergreifen und trat in dem Begimenteeines Obersten Baron von Niewland, eines ehemaligen MalteserBitters, der ihn wegen seiner mathematischen, physikalischen, undphilosophischen Kenntnisse hoch schätzte und ihm vortheilhafte Be-dingungen gemacht hatte, als Volontair ein. Als solcher diente eranderthalb Jahre gegen die Franzosen und hielt die Belagerung vonWesel mit aus. Uebrigens fand er auch in diesen Verhältnissen, daer als Freiwilliger nur je den vierten Tag Dienst zu thun hatte,hinlängliche Müsse, seinen Studien sich hinzugeben und widmeteauch im Felde drei Viertel der Zeit den Wissenschaften. Obsclionihn der Oberst Niewland sehr lieb gewonnen hatte und ihm , umihn bei sich zu behalten, eine Hauptmannsstelle anbot, zog er dochdie Beschäftigung des Friedens dom Kriegsruhm und Waffengetümmelvor, er beurlaubte sich daher, sobald sich eine passende Gelegenheitbot und kehrte nach Leyden zurück, wo er seine vorigen Studienwieder aufnahm.
In seinem vier und zwanzigsten Jahre (also 1675) ging er vonhier in seine Heimath zurück, hielt sich aber daselbst nur kurzeZeit auf, sondern unternahm, nachdem er von seinem Vater die Er-laubnis erhalten hatte, von seinem Bruder Georg Albrecht unter-stützt, um seine Kenntnisse zu bereichern eine längere wissenschaft-liche Boise'). Er begab sich nämlich 1675 über Holland nach Eng-
’) Leider sind die Nachrichten über dieselbe Uusserst dürftig, nicht alleinrücksichtlich der Einzelnhoiten, sondern auch der Motive. Denn, rvenn auch inden Act. Erud. L709 gesagt wird, er habe sie unternommen „cum nondum exple-visset discendi desiderium”, ebenso bei Ziegler: „weil er meinte, er habe seinStudium noch nicht absolviret”, und Gerhardt dieselbe eine „wissenschaftliche”nennt; so dürfte es doch fraglich sein, oh Tschirnhäus, dessen Vermögen, wie ausdem Folgenden erhellt, wenigstens nicht übergross gewesen sein kann, eine solange und kostspielige Heise einzig und allein aus wissenschaftlichen Gründenunternommen habe, namentlich da er selbst keine seiner Entdeckungen als Fruchtderselben bezeichnet. Besonders dunkel scheinen mir die Ursachen zu sein, dieihn bewogen haben, das doch etwas abgelegene Malta zu besuchen. Ob er beab-sichtigt hat, von Italien und Sicilien, diese Insel berührend, nach Constantinopelzu geheu, oder aber, ob dieselbe für ihn ein besonderes Interesse hatte, sei es,