6 §. 2. Sein Leben.
Reise besuchte er Leibniz in Hannover und blieb einige Tage beiihm ').
In diese Zeit, kurz nach Beendigung der Reise, scheint auch seinerster Aufenthalt am Hofe des Kaisers Leopold zu fallen, wenigstenswird in den Act. Erud. desselben unmittelbar nach Angabe der Ortegedacht, die Tschirnhaus besucht hat * 2 ). Ueberhaupt sind die dienächsten Jahre betreffenden Nachrichten über Tschirnhaus etwasunklar. So berichtet Ziegler: „Als er das dritte mahl nach Pariskam, wurde er auf Recommendation des berühmten Colbert in dieKönigliche Akademie der Wissenschaften Anno 1682, den 22. Juli,aufgenommen, hat auch derselben durch Experimenta und Invcntasein Ingenium und Eleiss allezeit rühmlich bewiesen.” Kurz daraufaber: er habe sich 1681 verlieirathet, sei aber vor der Heirath zumdritten Male durch Holland und Frankreich gegangen und habe inletzterem Lande in der Stille seine Medicina mentis verfertigt; undwiederum, einige Zeilen später: nachdem er zwölf Jahre in der Fremdegewesen, habe er sich 1681 verheirathet. In ähnlicher Weise lautetdie Biographie in den Act. Erud.: „Cum tertia vice Parisios venisset,commendatione atque auctoritate Illustris Colberti in AeademiamScientiarum Regiam anno 1682, d. 22. Julius, alleetus est, cui in-genium solortiamque perpetuo probavit”, und wenige Zeilen weiter unten:„Postquam per 12 fere annorum spatium peregrinatus esset, domumquidem rediit, at post parvam moram denuo Bolgium repetiit, ibiqu.tractatum, quem de Medicina Mentis inscripsit, literis consignavit, quem& ibi amicis, quibus curain impressionis demandarat, reliquit”. EndlichGerhardt sagt (Leibnizcns mathematische Schriften, S. 423): „TJm sichGeld zu verschaffen, beschloss er im Jahre 1682 noch einmal nach Pariszu gehen, denn er hoffte, auf Grund seiner Untersuchungen überdie Eigenschaften der Brennlinien, nicht nur seine Wahl zum Mit-glied der dortigen Academie der Wissenschaften durchzusetzen, son-dern auch durch sein persönliches Erscheinen eine ansehnliche Pensionvom Könige von Frankreich zur Fortsetzung seiner Studien zu er-halten. Das Erstcre gelang ihm, besonders durch die Empfehlungund durch die acht freundschaftliche Unterstützung Leibnizcns; inBezug auf das Zweite wurden ihm nur leere Yersprechungen ge-macht.” Zugleich geht aus der Unter- oder Uebersehrift der vonGerhardt mitgotheilten Briefe Tschirnhausens hervor, dass derselbeam 7. April 1681 in Kiesslingswalde, am 27. Mai 1682 und am27. Juli 1682 in Paris gewesen ist. Wie man sich auch diese Un-genauigkeiten 3 ) erklären mag, das ist ausser Zweifel, dass er 1682
’) Gerhardt: „Leibnizcns mathematische Schriften. Band IV”, pag. 423, 482.
2 ) Act. lirud. 1709: „llöllandiam denuo repetiit, inde in Angliam, Galliam,Italiam, Siciliam ac Melitam contendit, Hispaniam et Regnum Turcicum etiainperagraturus, nisi cum diflierütates & itineris pericula retinuissent. Aulam ctiamCacsarcam 1). Lcopoldi Magni, una cum t’ratro, cujus modo mentio facta (uiiiu-lich Georg Albreclit) aliquaudiu frequoutavit”.
3 ) Dieselben bestehen olfenbar in Folgendem: Tschirnhaus wird bei seinemdritten Aufenthalte in Paris zum Mitglied der Akademie ernannt, cs wird aber