Buch 
Lebensbeschreibung des Ehrenfr. Walther v. Tschirnhaus auf Kiesslingswalde und Würdigung seiner Verdienste : mit einem Vorwort über Prof. J.A. Grunert als Preisrichter / von Dr. Hermann Weissenborn
Entstehung
Seite
8
JPEG-Download
 
  

8

§. 2. Sein Leben.

Dass aber diese Mittlieilung Gerhardts eine richtige ist, dafür sprichtauch der Umstand, dass das von Tschirnhaus verfasste Werk, Medicinamentis, Ludwig XIV. gewidmet ist, und ebenso geht seine Streben,sich pecuniäre Mittel zu verschaffen, deutlich aus einem von Neun-dorf unter dein 25. August 1683 au Leibniz geschriebenen Briefe ')hervor, in welchem er sagt:dass sonsten bieshero in den Actiseines und das andere inserirou lassen, ist geschehen, dass sie zuParis sehen, wie das in meinen studiis fortgehe, und dass zugleichauch andern innotescire; doch achte dieses letztere auch so grossnicht, wen keinen andern nutzen davon habe, als dass man meinennahmen nennen * 2 ) lernet. In der That scheint Tschirnhaus durchdiese seine Bestrebungen sieh von manchen Seiten, obschon damalsdas Nationalgefühl verhältnissmässig wenig entwickelt war, Tadelzugezogen und Verdächtigungen ausgesetzt zu haben. Wenigstensfügt der Verfasser des Elogium in den Act. Erud. 3 ), da, wo vonseiner Aufnahme in die Pariser Academie die Eede ist, hinzu: Quan-quam ea res invidiam illi peperit apud nonnullos, qui eum stipen-diarium Rcgis Galliarum factum credidere, quod nescirent, extraneorumneminem ad perceptionem salarii admitti; imo ne Gallum quidem,nisi Lutetiae domicilium habeat, & convictibus Academicorum, statisdiebus celebrandis, interesse possit. Während also seine Hoffnung,vom Könige von Frankreich eine Pension zu erhalten, fehlschlug,machte ihm Colbert 4 )grosse Offerten, wenn er in Paris bliebe,ebenso trug ihm der Kurfürst von Brandenburg, Friedrich III. (nach-mals König Friedrich I.), nach Seckendorfs Tode die Stelle einesKanzlers an der Universität Halle an, 1692, mit dem ansehnlichenGehalte von 3000 Thaler; desgleichen wurde ihm vom Landgrafenvon Hessen-Darmstadt eine Landraths-, vom Landgrafen von Hessen-Kassel eine Rathsherrn-Stelle angeboten. Alle diese Anerbietungenaber schlug Tschirnhaus aus, da er dem Vaterlande dienen wollte 5 ).

in Paris gemachten Zusagen zu erreiehen, wenn er seinen Namen der wissenschaft-lichen Welt bekannt machte. Er beeilte sich daher die Ergebnisse seiner mathe-matischen Studien in den Actis Eruditorum Lipsiensium (soll wohl heissen:Lip-sionsibus) zu veröffentlichen (vgl. pag. 6), und pag. 486:Hierauf folgenmehrere Briefe aus dem Jahre 1682, die Leibniz von Tschirnhaus aus Paris zu-gesandt erhielt. Dieser nämlich hatte sich noch einmal dahin begehen, um zurungestörten Fortsetzung seiner Studien eine Pension vom Könige von Frankreichsieh zu erwirken. Zu dem Ende hatte er eine kurze Zusammenstellung seinerErfindungen der Königlichen Akademie überreicht, wovon er eine Abschrift anLeibniz schickte.

>) Gerhardt: Leibnizens mathematische Schriften. Band IY, pag. 499.

2 ) Soll vermuthlich heissen:kennen.

3 ) Act. Erud. 1709.

) Gerhardt: Leibnizens mathematische Schriften. Band 1Y. Pag. 486 thciltein Schreiben mit, welches. Leibniz während Tschirnhausens Aufenthalt in Paris1682 auf dessen ausdrücklichen Wunsch an den bei Colbert in hohem Anseheustehenden Galloys richtete und in welchem er ihn empfiehlt.

5 ) Ziegler:Historischer Schau-Platz und Labyrinth der Zeit.