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Lebensbeschreibung des Ehrenfr. Walther v. Tschirnhaus auf Kiesslingswalde und Würdigung seiner Verdienste : mit einem Vorwort über Prof. J.A. Grunert als Preisrichter / von Dr. Hermann Weissenborn
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§. 2. Sein Leben.

Diesem suchte er durch Einrichtung allgemein nützlicher AnstaltenVortheile zu verschaffen. Bei Gelegenheit seiner Untersuchungenüber die Brcnnlinien und Brennspiegel nämlich hatte er Maschinenerfunden, mit deren Hülfe Gläser von ungewöhnlicher Grösse ge-schliffen werden konnten, was natürlich nicht nur für die Anferti-gung von Brennspiegeln, sondern auch von Telescopen und Micros-copen von grosser Wichtigkeit ist. Da bisher dieser Industriezweigim Kurfürstenthum Sachsen, zu welchem damals die Ober- undMieder-Lausitz gehörte, noch wenig oder gar nicht betrieben worden■war, so glaubte Tschirnhaus, dass die Anlegung von Glashütten inseinem "Vaterlande ein Bedürfniss sei. Mochte er auch immerhindas Zustandekommen solcher Einrichtungen ausser dem angegebenennoch aus dem Grunde wünschen, weil er hoffte, dass er dann einebessere Gelegenheit haben werde, seine Versuche und Untersuchungenfortzusetzen und so der Wissenschaft zu nützen, man wird cs natür-lich finden, dass er diese Werke nicht aus eigenen, sondern ausStaatsmitteln gegründet wissen wollte. Er wandte sich daher indieser Angelegenheit an den Kurfürstlichen Hof und brachte es inder That nach vieljährigen Bemühungen bei Johann Georg II. und III.dahin, dass drei Glashütten unter seiner Leitung angelegt wurden ’),Wodurch dem Lande wenigstens 20000 Thaler jährlich, die sonstfür Glas nach Böhmen gegangen wären, erhalten wurden 1 2 ). Auchliess er „von ihm neu inventirte Maschinen bauen, die dem EiscusGrosses eingebracht haben würden, wenn nicht der jetzige Kriegausgebrochen wäre” 3 ). In der That scheint Tschirnhaus auch aufeigene Kosten Vieles unternommen, insbesondere neue Polir- undSchleifmaschinen aufgestellt zu haben 4 ), denn wir erfahren, dass er

1 ) Ziegler- „Historischer Schau-Platz und Labyrinth der Zeit” „Act. Erud.ttOO”. Letztere sagen: „Ceterum impense lahorahat, ut promoverct bonas literas,& ut Prodesset Beip. ne sumptibus parcehat, uhi erogandi craut pro scientiarumauginento. At cum rem familiärem non sufficere posse cemeret ad ea, quacammoVolvchat, perficienda, extraneam opem circumspexit, Aulamque Saxomcam faq atare coepit. Ibi baud difficulter in gratiam Seremssimorum Electorum, JohannisGcorgii II. et m. gloriosae memoriac, pervenit, & ab us Consiliarn tvtülummunusque obtinuit. Tandem rem eo perduxit, ut jussu & auspicus PotentissinnPoloniarum Beeis AUGUST1, ipso auctore, tres officmac vitnanae, quibus liac-tanus Saxonia caruerat construerentur. Arbitrabatur emm, se ita & patriae suael'rofuturum, ne nummos pro vitriis peregre coemendis expendero neccsse esset;& Beipublicae literariae, quod in Physicis altiorcs progressus fieri negaret, msiante perficeretur Optica, quam valde imperfectam adhuc esse, asseverabat”.

2 ) Ziegler: „Historischer Schau-Platz und Labyrinth der Zeit”.

3 ) Ebendaselbst. .

4 ) Gerhardt: „Leibnizens mathematische Schriften. Band IV”, P ag ; 42 „;/ ’n,™

letztere (nämlich Brenngläscr) in möglichster Grösse herzustollon, log™ . ,

Glashütten an, die ersten in seinem, engeren Vatcrlande Sachsen. A

er neue Polir- und Schleifmaschinen und liess sic auf eigene Kos '

Obgleich Tschirnhaus seine Fabrikate zu möglichst hohen Prei ,

so wurde dennoch durch diese kostspieligen Unternehmungen, oesonuers auchdadurch, dass er seit 1700 fast ununterbrochen in Dresden in der Eahe desHofes lebte, der gänzliche Kuin seines Vermögens nach und nach herbeigcfuhrt .