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§. 2. Sein Leben.
z. B. dem Kaiser Leopold und dem Kurfürsten von Sachsen einenBrennspiegel anbot *) und dass er, jedenfalls mit seinen Gläsern, dieLeipziger Messe bezog und sie daselbst aufstellte 2 ).
Seit dem Jahre 1700 lebte er meistens in und bei Dresden inder Nähe des Hofes, ein Aufenthalt, der ihm zwar in sofern nütz-lich war, als er Veranlassung und Gelegenheit fand, seine chemischenKenntnisse zu erweitern 3 ), der ihn aber auch genöthigt haben mag,einen Aufwand zu machen, den seine Verhältnisse nicht mehr er-trugen. In dieser Zeit nämlich ward ihm die Aufsicht über dendamals in Sachsen gefangen gehaltenen Alchemisten Böttcher 4 ) (oderBöttger) übertragen, der, als seine Versuche, Gold zu machen, miss-langen, das nützlichere Porzellan erfand. Auf diese Weise kam
*) Die Act. Erud. 1709 und Ziegler berichten, dass, als er zum zweitenMale (über das erste Mal s. pag. 6, Anmerkung 2)) in Wien gewesen sei unddem Kaiser Leopold einen grossen Brennspiegel angeboten hatte, dieser ihm einegoldene Kotto mit dem kaiserlichen Bildniss geschenkt und ihn in dem Barons-stand habe erheben wollen; erstere habe Tschirnhans 1 angenommen, letzteres aberabgelehnt. Er selbst erzählt in einem Briefe an Leibniz, Kiesslingswalde, den18. Januar 1698 (Gerhardt: Leibnizens mathemat. Sehr. Band IV, pag. 511):„Habe auch bereits dergleichen glässer 2...., deren eines Ihro Kayserliche Maje-stät offerirt, welches den Pater Menegoti sehr oblectirt, und Unsern ietzigenChurfiirstcn, wie den hiervor sehr ansehnlich regalirt worden”. Dem Brockhaus'-schen Conversations-Lexicon (Artikel: Brennspiegel) zufolge soll sich ein vonTschirnhaus 1686 gefertigter Brennspiegel von 3 Ellen Durchmesser und 2 EllenBrennweite im mathematischen Salon zu Dresden befinden, wenn derselbe nichtin dem Dresdener Aufstande 1849 mit dem Zwinger, in dem er sich muthmass-lich befand, zu Grunde gegangen ist.
2 ) Gerhardt: „Leibnizens mathematische Schriften. Band IV”, pag. 527.Leibniz an Tschirnhaus: „Zweifle nicht Sie werden in Leipzig glücklich an-gelanget sein”. Pag. 530: Tschirnhaus an Leibniz: „Diese (Antwort gegen Jo-hann Bernoulli) nun würde ohngefähr also lauten: Ich habe bey vergangenerNewen Jahres Messe in Leipzig bereits den modum des Herrn Bernoulli gesehen,die Arcus Parabolicos zu eompariren”. Pag. 573: Tschirnhaus an Leibniz: „ver-meine auch specimina (nämlich vom Glasschleifen) genug praestiret zu haben,indem glässer von IV 2 bis 3 Centner schwere zu perfecten lentibus fabriciret,deren eines in Leipzig bei Herrn Bosse, einem Kauffmann, zu sehen”. AuchChr. Wolf erzählt, er sei zur Oster-Messe 1703 oder 1705 nach Leipzig gereist,um Tschirnhaus zu sprechen, was auch geschehen sei. (Gerhardt: „Leibnizensmath. Sehr.”, pag. 422. Anmerkung.)
3 ) Act. Erud. 1709: „Hic pro felicitate haud mediocri habuit, quod Dresdaemorandi copia obtigerit, ^ licet ea res studiis ejus valde contraria visa esset. Itaenim factum ajebat, ut in . cognitionem multarum rerum pervenerit, quarum aliasignarus mansisset. Sic ibidem occasionem nactus est & mineraiia pervestigandi,& Chimiam ipsam tractandi”.
4 ) Hans Friedrich Böttcher wurde am 5. Februar 1682 zu Schleiz im Voigt-lande geboren. In seinem 15ten Jahre wurde er von seinen Aeltern nach Berlinzu einem Apotheker,^Namens Zorn, in die Lehre gebracht, wo er, durch einenandern Apotheker, KÖpke aus Heimersleben, dazu veranlasst, bald sich mit Gold-macherei zu beschäftigen anfing. Da er natürlich in dem Geschäfte seines Lehr-lierrn dazu nicht hinlängliche Zeit fand, so verliess er denselben 1699 heimlichund setzte, sich in Berlin verborgen haltend, mit einem Kameraden, einem ge-wissen Schräder, seine Experimente fort, kehrte aber, von Noth getrieben, schon1700 zu seinem früheren Meister zurück. Es gelang ihm jetzt, sowohl diesen,