Buch 
Lebensbeschreibung des Ehrenfr. Walther v. Tschirnhaus auf Kiesslingswalde und Würdigung seiner Verdienste : mit einem Vorwort über Prof. J.A. Grunert als Preisrichter / von Dr. Hermann Weissenborn
Entstehung
Seite
11
JPEG-Download
 

11

2. Sein Leben.

Tschirnhaus mit dem Sächsischen Hofe in häufigere Berührung undkonnte sich wahrscheinlich den kostspieligen Gebräuchen und Yer-gnügungen nicht entziehen, was natürlich Zeit und Geld in beträcht-lichem Maasse erforderte. Einen noch schwereren Schlag mögen seine

als viele Gelehrte Berlins (dass unter diesen auch, wie Waldbrühl angiebt, derdamals berühmte Chemiker Kunckel von Löwenstern sich befunden habe, ist nichtwahrscheinlich, da dieser damals in Stockholm am Hofe Karls XI. war; er müsstedenn, etwa auf einer Boise, zufällig gerade in Berlin gewesen sein), zu täuschen,and bald gelangte die Kunde von Böttchers Kunst zu den Ohren Friedrichs III.Dieser, bekanntlich ein Pracht liebender Fürst, gab Befehl, den Adepten in derStille aufzuheben und ihn zur Ausübung seiner Wissenschaft zu nöthigen. Böttcheraber, der davon Nachricht erhalten, entfloh verkleidet und begab sich in dasdamals Sächsische Wittenberg, um hier, wie es scheint, von seinor Verirrunggeheilt, Medicin zu studiren. Da aber bald, unter dom Vorwände, dass er einentsprungener Missethäter sei, seine Auslieferung von Berlin aus verlangt wurde,sah er sich genöthigt, dem Befehlshaber von Wittenberg den Sachverhalt zugestehen, wobei er zugleich leugnete, im Besitze der fraglichen Kunst zu sein,was aber nicht geglaubt ward. Denn, nachdem über dieso Angelegenheit an denKurfürsten August den Starken berichtet worden war, liess dieser, der auch denWerth des Goldes zu würdigen verstand, ihn im December 1701 Nachts auf Um-wegen, damit er nicht in die Hände der auflauernden Preussen falle, im Wagendes Statthalters von Sachsen, Anton Egon von Fürstenberg, von Wittenberg nachDresden schaffen. Im Palaste Fürstenhergs (der auch Tschirnhaus unterstütztau haben scheint, wenigstens schreibt dieser 1698 von Kiesslingswalde anLeibniz:gedencke also mit wenigen dass nuhnmero in Kurtzcn durch Hülffe Ihro Durch-laucht von Fürstenberg, so ein Herr von ungemeinen herrlichen talent ist, in demStande zu sein, was guttes pro publico zu effectuiren, wovon dan und wan inActis bericht geben werde. Gehrhardt:Leibnizens mathematische Schriften.Band IV., pag. 533) musste er hier seine Arbeiten unternehmen; sowohl damiter nicht die ihm verwilligten Gelder unterschlage, als auch um ihm wo möglichdas vermeintliche Geheimniss abzulocken, ward ihm Tschirnhaus beigegeben, deraber Böttcher nicht zu durchschauen vermochte. Im Jahre 1704 entfloh dieser,ward aber in Ungarn ergriffen und wieder zurückgobracht. Als er 1705 ausErdarten, die ihm Tschirnhaus aus der Umgebung besorgt hatte, Schmelztiegelverfertigte, bemerkte er, dass diese Stoffe im Feuer sich in eine dem ChinesischenPorzellan ähnliche Masse verwandelten. August der Starke, über dieso Entdeckungerfreut, erhob Böttcher zum Reichsfreiherrn, gab ihn aber gleichwohl nicht los,sondern schaffte ihn nach Meissen, damit er dort auf der Albrechtsburg diePorzollanarbeiten fortsetze. Als 1706 dio Schweden in Sachsen einfielen, brachteman ihn mit seinen Gehülfen auf den Königstein, wo er abermals einen Flucht-versuch machte, der aber misslang und um so schärfero Bewachung zur Folgehatte. Nach dem Abzüge der Schweden transportirte man Böttcher zurück nachDresden und hier erfand er nach zweijährigem Probiren, wobei er sich zumSchmelzen ausser den Oefen auch, vermuthlich auf Tschirnhausens Veranlassung,grosser Brennspiegel bediente, 1709, also ein Jahr nach dessen Tode, die Berei-tung des weissen, statt des bisherigen rothen und braunen Porzellans. Im näcli-sten Jahre, 1710, ward die Arbeit wieder nach'Moissen auf die Albrechtsburgverlegt, und hier die berühmte Porzellan -Fabrik angelegt, deren Leitung Böttcherübertragen wurdo, welcher nunmehr endlich die Freiheit erhielt. Er ergab sichaber, indem er dieselbe, wie es scheint, nicht mehr recht zu benutzen verstand,einem unordentlichen Lebenswandel, verlor deshalb schon nach drei Jahren dieGeschäftsführung und starb am 13. März 1719 in Dresden, tief verschuldet, ob-sclion er vom Kurfürsten nach und nach 150000 Thlr. erhalten hatte. (S.:DasLehen berühmter Werkmeister. Vou Wilhelm von Waldbrühl. Frankfurt a. M.Literarische Anstalt. 1853. Pag. 259 bis 266.)