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§. 4. Seine Logik.
richtig darstellen. Sic kann für den intellcctus nutzbar gemachtwerden durch Worte („voces”), indem wir verschiedene Dinge mitverschiedenen Namen bezeichnen, durch Zeichen („characteres”), in-dem wir sie durch solche kurz andeuten, endlich durch Bewegung,indem wir manche Operationen des intellcctus durch Maschinen,wie Leibnizen’s Bechen - Maschine, ausführen. Ein drittes Mittelgegen den Irrtlium ist die Erfahrung und das Experiment. Wer z. B.daran zweifelt, dass die Luft ein schwerer und Widerstand leisten-der Körper sei, wird durch die Luftpumpe überzeugt; die Erfahrung,dass die Sonne durch die Fenster eines Zimmers scheint, beweist,dass die Lichttheilchen so klein sind, dass sie durch die Poren desGlases gehen, die Erfahrung, dass ein Magnet auch durch einehölzerne Tafel wirkt, zeigt, dass die magnetischen Theilchen auchdurch die Poren des Holzes gehen; falsche Ansichten über Himmels-körper werden durch die Fernrohre berichtigt u. s. w.
Ein zweites Hinderniss, die Wahrheit zu finden, besteht darin,dass wir es oft verschmähen, Leichtes gehörig zu betrachten, in derMeinung, es könne dies zur Lösung schwerer Aufgaben doch nichtsbeitragen.
Der Ursprung dieses Irrthums wird wieder zunächst „a priori”betrachtet. Da wir nämlich das meiste durch die imaginatio wahr-nehmen und dies ein allen Menschen gemeinschaftliches Vermögenist, sind wir geneigt, zu glauben, dass sich mit ihrer Hülfe nichtsBemerkenswerth.es erreichen lasse. Sodann wird der Ursprung diesesHindernisses aus der Erfahrung („per experientiam”) nachgewiesen,indem es eine bekannte Thatsache ist, dass alles Wundbare, Kunst-stücke u. s. w. unsere Aufmerksamkeit mehr anziehen, als Gewöhnliches.
Die Mittel („remedia”) dagegen sind folgende: Erstens ist alles,was gegen den intellectus streitet, vorsichtig aufzunehmen, denngewöhnlich steckt etwas Falsches dahinter, wenn wir es auch nichtsogleich einsehen. Vor allem ist aber zu erforschen „quae se adquam plurima extendunt, hoc est, quae valde generalia sunt”. Denndie „cognitio generalis” ist bei weitem wichtiger als die „cognitiospecialis”, weil erstens die erstere die letztere zugleich in sich fasst,aber nicht umgekehrt, weil zweitens allgemeine Wahrheiten, ebenweil sie allen gemein sind, leichter entdeckt werden, als spezielle,weil sie drittens bewirkt, dass wir auch andere Eigenschaften leich-ter auffinden, wenn -wir nur erst die allgemeinen kennen. Einzweites Mittel ist, dass wir durch richtiges Schliessen von demLeichtesten und Bekanntesten aus das Schwere und Unbekannte zufinden suchen. Ein drittes Mittel besteht darin, dass wir uns eineauf klare Vernunftschlüsse und auf evidente Erfahrungen gestützteKenntniss desjenigen verschaffen, was wir am meisten bewunderthaben, und wir werden uns überzeugen, wie durch Kleines schwie-rige Fragen beantwortet werden. So ist z. B. durch das einfachePendel ein genaues und constantes Maass gefunden, mit Hülfe des-selben wird ferner die Bestimmung der geographischen Breite, sodann