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§. 4. Seine Logik.
der von einem fallenden Körper in einer gewissen Zeit durchlaufeneBaum gefunden, es lehrt uns, dass am Aequator alle Körper leichtersind, dass die Erde rund ist und sich um ihre Achse dreht u. a . m>
Ein drittes Hinderniss besteht darin, dass man nicht immer so-gleich einsieht, dass die Wahrheit irgendeinen Nutzen bringt.
Her Ursprung dieses Umstandes, „a priori betrachtet, liegtdarin, dass wir in Eolge der Gedanken, die wir von früh an inuns aufnehmen 4 auf das Nützliche gestellt sind. Erfahrungsmässigzeigt sich die Richtigkeit der ausgesprochenen Behauptung im ge-wöhnlichen Leben.
Hie Mittel dagegen sind folgende: Erstens müssen wir uns über-zeugen, dass jede Ei'kenntniss der Wahrheit auch Nutzen bringt,Wenn auch erst in sjiäten Jahren. Zweitens müssen wir nützlicheWahrheiten zu entdecken suchen; die nützlichsten sind die all-gemeinen Theoreme. Brittens müssen wir beachten, wie sehr die-jenigen sich selbst schaden, welche nur der imaginatio folgen. Dassz. B. die Magnetnadel immer dieselbe Richtung einhält, scheint ansich nicht nützlich, der Vernünftige aber wird sieh gleichwohl dabeiberuhigen, weil er hierin ein neues Naturgesetz erkannt hat, undin der That hat sich dasselbe auch als nützlich erwiesen. Benndurch die Magnetnadel ist Amerika entdeckt worden und viel Goldnach Europa gekommen. Andere Beispiele ähnlicher Art sind dasSchiesspulver, die Taucherglocke, die Buchdruckerkunst, die neuenEntdeckungen in der Mathematik u. a. m.
Ein viertes Hindemiss ist, dass wir nicht immer, auch abgesehenVon Krankheiten und mangelhafter Erziehmig, zur Erforschung derWahrheit aufgelegt sind. Tschirnhaus bezeichnet dasselbe kurz durch:»indispositio”.
Her Ursprung dieses Hindernisses, „a priori”, besteht^ darin, dassäussere Einflüsse auf uns dies bewirken, „a posteriori” ist bekannt,dass, wenn Jemand in sich die Eähigkeit fühlt, etwas geschicktauszufühxen und dann gehindert wird, er, wenn er dann daran geht,e s nur mit Widerwillen thut.
Hie Mittel dagegen ergeben sich leicht. Die Hindernisse kom-men immer von aussen, und sind, mit Ausnahme von Krankheit,leicht zu beseitigen, z. B. was Speise, Trank, Hitze, Kälte n. a.betrifft. Zweitens thut auch eine gute Methode viel, namentlichist anzurathen, mit dem anzufangen, wobei die imaginatio ausreichtund dann zu dem fortzuschreiten, was den intellectus erfordert.Brittens muss sich jeder nach seiner Natur richten. Gewöhnlicharbeitet man am leichtesten am Morgen, wenn es kühl, in derNacht, wenn es ruhig ist, ist im Winter mehr zum Denken, imSommer mehr zum Experimentiren geneigt u. s. w., wenn man aberdisponirt zu sein glaubt, so muss man die Sache rasch angreifen,denn gewöhnlich dauert diese günstige Zeit nicht lange.
Ein fünftes Hinderniss ist das, dass es oft schwer ist, bei einerlängeren Reihe von Schlüssen aufmerksam zu bleiben.