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Lebensbeschreibung des Ehrenfr. Walther v. Tschirnhaus auf Kiesslingswalde und Würdigung seiner Verdienste : mit einem Vorwort über Prof. J.A. Grunert als Preisrichter / von Dr. Hermann Weissenborn
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§. 4. Seine Logik.

liehe Anweisung zu nützlichen Wissenschaften, absonderlich zu derHathesi und Physica, wie sie anjetzo von den Gelehrtesten abgehan-delt werden, in 4 t0 - 4 Bogen” ')•

Der Inhalt besteht in Folgendem: „Der vortreffliche Autor dieserso kurtzen als schönen Schrift beruffet sich hin und wieder auf dieHedicinam mentis, daraus sie zum theil gezogen „Alles StudierensZweck ist die Ehre Gottes, oder dessen rechte Erkäntniss.” AeussereGüter, als Ehre, Beichthum u. s. w. sind nur Schein-Güter undführen leicht von der Buhe des Gemüthes ab, die nur durch Tugendzu erhalten ist. Was Tugend sei, zeiget die Weisheit und Erkennt-nis der Wahrheit. „Die Warheit erfahren wir durch Sinnen, Ver-stand und Glauben. Der Weg zur Glaubens-Warheit ist in derHeil. Schrifft geoffenbahret,” man muss dieselbe desshalb fieissiglesen und ebenso auch die Werke „geistreicher Leute”, wie Gerhardt’s,Arndt’s, Lütkemann’s, Scriver’s, Müller’s, Spener’s, insbesondere dessen:„Lehre, Früchte und Schätze des Glaubens”.

„Die Warheit zeiget sich nirgend klarer, als in der Mathematik,”die, abgesehen von dem grossen praktischen Nutzen, durch die Be-weise die Wahrheit erkennen lässt und Andere sie anzuerkennenzwingt. „Die mathematische Methode lässt sich auch in Physicis,Toliticis und Ethicis anbringen, wie die Ncotcrici sich deren dennJetzo darin bedienen.” Es werden nun zwei Wege, die zu Kennt-nissen in der Mathematik führen, unterschieden, „der eine ist weit-schweiffig durch viele Instrumenten, Praxin und Bücher; aber mankömmt doch damit nicht auf den Grund der Warheit. Der andereist durch die Theorie, Euclidem, Archimedem, Apollonium und Ana-lysin recentiorum. Der scheinet anfangs mit vergebenen Spitzfündig-keiten aufzuhalten, allein er giebt den Grund, dass man von sichselbst erfinden kann, was andere mit viel Kosten suchen müssen.Doch muss man um der Jugend willen die Mittel-Strasse gehen, denAnfangenden aus allen Disciplinis Mathematicis die nöthigsten Praxeslicybringen, um eine Liebe und einig Licht bey ihnen zu erwecken,hernach ihnen die Ursachen zeigen und sie zur Theorie führen.” _

Es werden nunmehr mehrere Stufen des mathematischen Unter-lichts unterschieden und die auf jeder derselben zu gebrauchendenHülfs- und Lehrbücher angeführt. „Was solche Praxes insonderheitbetrifft, so könne man brauchen Beiheri sehr leichte Anführung zur-Arithmetik, die Ertz-Herzogliche Geometrie auf den Pappier, Schwen-Ißr’s Geometriam practicam auf dem Felde mit wenig Stäben und®jner Mess-Kette: die Globos, des Schickardi Astroscopium, illuminirteGeographische Karten, so auch selbst zu machen: In der Optik dieGameram obscuram, allerhand Spiegel, Bofraction in Wasser und

verschaffen, muss ich mich auf die Mittheiiung des hier gegebenen Beferateabeschränken.

’) Diese Schrift Tschirnhansens ist also von geringerem Umfang; auch siescheint anonym zu sein.

Weissenborn : Ehrenfried Walther von Tschirnhans. 5