§. 15. Seine Bestrebungen, oine Akademie zu gründen.
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§. 15.
Tsehirnhausens Bestrebungen, eine Akademie zu gründen.
Wie es scheint, hat Tschirnhaus zuerst in einem an Leibniz ge-richteten Briefe um das Jahr 1693 Andeutungen über Einrichtungeiner Akademie feilen lassen, die aber nicht ganz verständlich undetwas geheimnissvoll gewesen sein mögen, indem er von einer Aka-demie unter dem Ausdruck „Cabbala” sprach. Zwar besitzen wirdiesen Brief Tsehirnhausens selbst nicht, wohl aber die Antwortleibnizens, aus welcher sich auf jenen sehliessen lässt. Denn Leib-“iz schreibt hier 1 ): „Was Sie sonst de Cabbala gedenckeu, versteheich die Cabbala sapientium, das ist Charactoristica, deswegen Siemeine gedancken wissen. Sölten Sie aber eine andere Cabbalamdeinen, so werde erläuterung des Verstandes erwarten. Sonst wärefreilich zum höchsten zu wündschen, was Sie gedenckeu, dass einfornm sapientiae wäre, welches nicht weniger bestehen würde alsdie Leipzigische Messe. Ein baar arcana lucrifora wären guth dazu,a 5er darauff muss man nicht warten. Inzwischen können briefeauc h etwas thun, aber die solche schreiben können, wie mein lioch-werther Herr, deren sind wenig oder vielleicht niemand in Teutsch-and. lob zweifle nicht, es werden nach der zeit, da M. Hrn. ich111 eht gesehen, Sie noch ein viel grösser liecht erlanget haben, zu-d a M in physicis und da steckts am meisten. Köndte man dermahl-ems einige guthe abreden nehmen, so zu unser Vergnügung und ge-meinen nuz dienen möchten, so wündsche dazu goleg-enheit vonHerzen”. Tschirnhaus bestätigt in seinem folgenden Schreiben Leib-
Qizens Yermuthung durch die Worte 2 ): ..melde also, dass die
Kabalam nur schertzweise so angolüliret, als Eiue der grösscstenWissenschaften, dadurch man ohne mühe zu den verborgensten ge-hehnnissen gelangen kan, weil die Juden solches Vorgaben; ich aberau f solche weise interpretire: Cabala ist soviel als traditio, da ge-iehrte leute einander was sie mit vieler mühe gefunden, und maneh-dahl wegen der vielen ignoranten, die doch grosse leute sein wollen,nicht eben so publick machen, einander oretenus und ohne alle am-
ba ges communicireu.” Leibniz geht sogleich näher auf diesen
Gedanken ein und schreibt 3 ): „Ersehe nunmehr was Sic durch ihreGabbalam gemeinet, und muss bekennen, dass dienliche Anstalt diess-falls wohl zu wündschen wäre.” „Alleine zu rechtem gebrauch derGabbalae würde gehören eiue Societät rechtgclehrter und wohlgesinnterleute; ich verstehe aber eine Societät nicht wie sie insgemein seyn,auch wie die Englische und Naturae Curiosorum 4 ) ist, so kein festesba nd, auch keinen Nachdruck noch Dauer haben, noch die von grosser
’) Gorhardt: „Leibnizons mathematische Schriften”. BandiV, pag. 514 u. 515.
2 ) Ebendaselbst, pag. 516. Brief Tsehirnhausens an Leibniz, datirt: „Leipzigd - 7 - Maji 1693.
3 ) Ebendaselbst, pag. 517. und 518.
4 ) Jedenfalls die pag. 198 erwähnte Academia Leopoldina naturae curiosorum.