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Lebensbeschreibung des Ehrenfr. Walther v. Tschirnhaus auf Kiesslingswalde und Würdigung seiner Verdienste : mit einem Vorwort über Prof. J.A. Grunert als Preisrichter / von Dr. Hermann Weissenborn
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§. 14. Vorbemerkungen.

Tschirnhausens Leistungen und Verdienste.

II Hinsichtlich Forderung allgemeiner Bildung.

§• 14 .

V orbemerkungen.

Zu denjenigen Anstalten, durch 'welche am meisten die Wissen-schaften gefördert worden sind und gefördert werden, gehören ohneZweifel die Akademien, Societäten und gelehrten Gesellschaften.Zwar haben sie zunächst den Zweck, eine, mehrere oder sämmtlicheWissenschaften in ihrem Fortschritt zu unterstützen, indem es abernicht ausbleiben kann, dass über lang oder kurz die Resultate ge-lehrter Forschungen in das Leben übergehen, üben jene Anstaltenauch auf die allgemeine Bildung und Cultur überhaupt einen be-deutenden. Einfluss aus; und umgekehrt hat das Streben nach all-gemeiner Bildung die Begründung der zahlreichen Akademien liervor-g-erufen, welche wir gegenwärtig über die ganze civilisirte Welt zer-streut erblicken. Anders war es noch zu Ende des siebzehntenJahrhunderts. Mit Ausnahme der 1666 gestifteten Aeademie desSciences in Paris, der 1645 zu Oxford gegründeten und 1658 nachLondon verlegten Royal society und etwa des 1690 eingerichtetenInstitutum artium et seientiarum zu Venedig gab es damals in denausserdeutsclien Ländern wohl keine gelehrte Gesellschaft von Be-deutung. In Deutschland bestand eine solche nur für Natur- undHeilkunde, nämlich die 1670 gestiftete und 1677 von Kaiser Leopoldprivilegirto Acadcmia Leopoldina naturae curiosorum. Wie schweres überhaupt damals sein musste, in Deutschland allgemein-nützlicheEinrichtungen in das Leben zu rufen, zeigt u. a. der Umstand, dass,obschon Weigel bereits in seinem dem Kaiser Leopold gewidmeten, 1664erschienenen „Speculum temporis civilis, d. i. Bürgerlicher Zeitspiegel”,auf die Einführung eines allgemeingültigen Kalenders gedrungen,sich sogar 1683 in dieser Angelegenheit an den Reichstag zu Regens-burg selbst gewendet hatte, doch erst 1700 dieser Vorschlag zurAusführung gelangte, während ein anderer von ihm gegebener Rath 1 ),• ein Collegium niederzusetzen, welches nicht allein den Kalenderordentlich hcrausgäbe, sondern auch den Handwerkern von Allem,was sich auf sie bezöge, Nachricht ertheilte, sie auf Manches auf-merksam machte u. s. w., gänzlich unbeachtet blieb.

’) „Kurtzer Entwurf des Mittels zum erspriesslichen Auffnehmon aller Kunst-und Handwerke. Unmassgeblich vorgestellet von Erhardo AVeigelio, P. P. F.Qber-Bau-Directore. Jena. Gedruckt bei Johann Nisien. 1681.”