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Lebensbeschreibung des Ehrenfr. Walther v. Tschirnhaus auf Kiesslingswalde und Würdigung seiner Verdienste : mit einem Vorwort über Prof. J.A. Grunert als Preisrichter / von Dr. Hermann Weissenborn
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§. 15. Seine Bestrebungen, eine Akademie zu gründen. 201

Pag. 195 angedeutet ward, als ein „areanum lucriferum” (s. pag. 199)],finden wir erst in einem Briefe Tschirnhausens vom „8. Martii 1698”diese Angelegenheit wieder erwähnt, indem Tsehirnhaus hier den-selben Gedanken ausspricht, wie Leibniz. Er sagt nämlich'): „vorietzoWerden Spiegel fabriciret, die in der länge über 4 Leipziger Ellen undin der breite über 3 eilen halten, dergleichen Venedig und Frankreichnicht zu wege gebracht. Diess wehre also eine schöne sache voreine Akademie pro scientiis zu establiren, viel besser als desWeigelii,durch ein Universal-Calendarium 2 ) (welches schwer zu erhalten sein"wird), besonders wen ich meine machinam (auff welche nicht glaubeleicht die exteri fallen werden) hierzu communicirte, dergleichengrosse glässer zu schleifen”. Bald darauf scheinen sich Tsehirnhausgünstige Aussichten zur Ausführung seines Planes gezeigt zu haben,denn Leibniz schreibt an ihn in einem Briefe vom Jahre 1698 oder

1699 3 ): „Freue mich sonderlich zu vernehmen, dass Sie die Hofnunghaben durch vornehme Assistenz nun etwas grosses auszurichten. WennIch bedeneke, was Ihre und meine zeit almählig dahin gehet, undallcrley hindernisse verursachen, dass wir dasjenige so sonst in unserFracht, wenn requisita vorhanden, nicht zuwerck richten und alsozu besorgen, dass viel suchen verlohrcn gehen werden, so nichtleicht sobald zu ersetzen, wenn, sage ich, dieses bedeneke, so findenöthig, dass wir einmahl mit mehrerem ernst auff bessere anstaltüeneken”. Jedenfalls sollte Leibniz schneller und glücklicher zumZ'ielo gelangen, als Tsehirnhaus. Denn bekanntlich ward im Jahre

1700 vom Kurfürsten von Brandenburg, Friedrich III., kurz zuvor,ehe derselbe den Königstitol annahm, die Berliner Akademie derWissenschaften gegründet und Leibniz zum Präsidenten derselbenernannt (worüber auch die Act. Erudit Mensis Aprilis 1701, pag.175 — 186, berichten), doch ward sie erst 1711 eröffnet, da noch<ho nöthigen Mittel nicht beschafft waren, wie Leibniz an Tschirn-haus von „Hanover, 17. April 1701” 4 ) schreibt. Auch Tsehirnhausschien seinen Zweck erreichen zu sollen, denn er meldet an Loib-niz von „Leipzig, d. 23. April 1704” 5 ): „Mau hatte alliier vor eineAcademie des Sciences auffzurichten; ich solte auff Königlichen Be-fehl ein Project davon entwerfen, worzu auch einen anfang gemacht,weilen es aber hernach nicht starck urgirct wurde, so bin auch pianohierinne gangen”. Wie es scheint, waren Andere der Ausführungdieses Planes entgegen, denn in dem letzten (bekannt gewordenen)Briefe: „Dresden, d. 6. Februar 1705”, schreibt Tsehirnhaus 0 ):»Was die Etablirung bewusten Werkes zu des Publici besten con-

') Gerhardt: „Leibnizens mathematische Schriften”. Band IV, pag. 533.

2 ) S. pag. 198. Da Weigel auch im Kurfürstenthum Sachsen grosses An-sehen genoss, so konnte Tsehirnhaus von den Plänen und Projocten desselben°lcht Kenntniss erhalten.

3 ) Gerhardt: „Leibnizens mathematische Schriften". Band IV, pag. 535.

’) Ebendaselbst, pag. 537.

6 ) Ebendaselbst, pag. 538.

6 ) Ebendasolbst, pag. 539.