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Lebensbeschreibung des Ehrenfr. Walther v. Tschirnhaus auf Kiesslingswalde und Würdigung seiner Verdienste : mit einem Vorwort über Prof. J.A. Grunert als Preisrichter / von Dr. Hermann Weissenborn
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§. 16. Schluss.

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er stets den Geist der Sache fasste und festhielt und selbst gewöhn-liche Dinge zu vergeistigen wusste. So hoch zu schätzen uun auchdiese Richtung ist, so sehr sie auch befähigt, Grosses zu leisten, soleicht lässt sie auch in den Fehler verfallen, über den Geist dieMaterie und den Mechanismus zu vergessen, die doch beide nichtausser Acht zu lassen sind, wenn man nicht Gefahr laufen will, denreellen Boden unter den Füssen zu verlieren.

Wenn dies nun auch Tschirnhaus allerdings hier und da be-gegnete, so bleiben doch seine Verdienste gross genug. In der Phi-losophie zeigte er sich zwar nicht gerade als ein tiefer Denker,gleichwohl aber muss seine „Medicina Mentis” wegen ihrer leichtverständlichen Darstcllungsweise von nicht unbedeutendem Einflüsseauf die allgemein philosophische Bildung der Gebildeten gewesensein, wie auch schon daraus hervorgeht, dass sie mehrmals aufgelegtward. In der Mathematik ist er am meisten dadurch bekannt, dasser zuerst die Aufmerksamkeit auf die Brennlinien lenkte und ver-schiedene Eigenschaften derselben entdeckte, wobei er auch den be-merkenswerthen Satz fand, dass die Evolute einer Epicycloide wiedereine Epicycloide ist; er lehrte ferner mehrere neue Arten Curven

bilden kennen, unter denen die „generatio per focos”, eine Ver-allgemeinerung des von Huygcns gefundenen Satzes, dass es fürjede Curve eine andere gebe, als deren Evolvente sich erstere an-sehen lasse, die boachtonswertlieste ist, und zu interessanten Unter-suchungen und Resultaten führte; er gab ferner die Idee und Ver-fassung, ein Paar Parabelbogen mit einander zu vergleichen, undgab so den ersten Austoss zur Entwickelung der lehre von denelliptischen Functionen, welche die heutigen Mathematiker so leb-haft beschäftigt; endlich stellte er eine Methode zur Lösung cubi-scher Gleichungen auf, welche ebenfalls in der jüngsten Zeit zurEntdeckung merkwürdiger Sätze geführt hat. Seine physikalischenLeistungen bestehen im Wesentlichen in der technischen Anfertigungoptischer Gläser, auf welchem Gebiete er bewundernsworthe Resultateerzielte; sein Streben endlich, eine Akademie zu gründen, scheitertenur an Verhältnissen, die zu ändern nicht in seiner Macht lag.

Können wir daher auch Tschirnhaus nicht gerade den Koryphäender damaligen Zeit an die Seite stellen, weder in Philosophie miteinem Spinoza, Malebranchc u. a., noch in Mathematik mit einemReibniz, Jacob und Johann Bernoulli, Newton u. a., so müssen wirdoch zugestehen, dass ihm in beiden Wissenschaften eine hohe undehrenvolle Stelle zukommt, und dass seine Arbeiten beide Disciplinennicht unwesentlich gefördert haben. Eine genauere Konntniss desmerkwürdigen Mannes werden wir uns freilich erst dann verschaffen,nnd Manches, was wir bis jetzt nur vermuthen und schliessen müssen,richtig beurt,heilen können, wenn die noch vorhandenen Manuscriptevollständig veröffentlicht sein werden.