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Lebensbeschreibung des Ehrenfr. Walther v. Tschirnhaus auf Kiesslingswalde und Würdigung seiner Verdienste : mit einem Vorwort über Prof. J.A. Grunert als Preisrichter / von Dr. Hermann Weissenborn
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§. 16. Schluss.

Schritt, ehe er den ersten gethan”, und Leibniz beurtheilt Tschirn-haus nicht ganz unrichtig, wenn er an den Freiherrn von iioden-hausen schreibt'): „Es soll Hr. la Hire ein buch de epicycloidibusvel lineis quao describuntur circulo voluto super circulo herausgegebenhaben, darinn er einige Dinge, so Hr. Hugenius, Hr. Tschirnhausund ich gefunden, more Yeterum demonstriret; ich wil ihm die ehregern gönnen, und mag wohl leiden, dass jemand die mühe mit uuserninventis nehme, inzwischen so hat Hr. la Hire nicht unrecht einigefehler des Hrn. Tschirnhaus geahndet, welcher bissweilen ein wenigzu geschwind gehet und doch dabey gar hoch spricht; ich möchteihm aber candorem dabey wündschen, den er zwar ofl't recommcndirt,aber nicht allemahl selbst übet”. Indem Tschirnhaus so seine Ent-deckungen bisweilen ohne sie hinlänglich durchdacht oder gehörigvollendet zu haben veröffentlichte, konnte es nicht fehlen, dass Streitig-keiten mit Andern entstanden, oder dass Andere ihm den Euhm hin-wegnahmen, indem sie, was Tschirnhaus oft versäumte, seinen Sätzendenjenigen Grad von Abrundung, Präcision und Vollendung ertheiltcn,deren sie fähig waren, wie z. B. Johann Bernoulli mit seinem dieVergleichung zweier Parabelbögen betreffenden Satz that. DieserZug, welcher die meisten seiner wissenschaftlichen Arbeiten charak-terisirt, nämlich Ungemeines und Ausserordentliches zu leisten, lässtsich auch in seinen technischen Leistungen nicht verkennen, indemer Gläser von solchen Dimensionen anfertigte, dass sie, namentlichin der damaligen Zeit, zur Messe ausgestellt, nicht verfehlen konnten,Bewunderung zu erregen. Vermuthlich auch war es diese Seiteseines Charakters, welche sein Verderben in pocuniärcr Beziehungherbeiführte. Denn, obschon wir nur schwache Andeutungen hiefürbesitzen * 2 ), lässt sich doch annehmen und mit einiger Sicherheit ver-muthen, dass er auch seine technischen Anlagen nach einem grossenMaassstabe eingerichtet und ein bedeutendes Kapital in dieselbengesteckt hat. Ob aber der Einfall der Schweden die einzige Ur-sache war, welche den Untergang derselben herbeiführte, oder ober denselben nur beschleunigte, vermögen wir nicht zu entscheiden.

Wenn wir nun auch im Vorigen einige Fehler und Mängel, welcheTschirnhaus anhafteten, nicht verschwiegen und nicht verschweigenzu dürfen geglaubt haben, so soll damit keineswegs seinem Kuhme zunahe getreten sein. Denn selbst die Ausstellung, welche wir obenmachten, dass er Lehrsätze, ohne sie gehörig geprüft zu haben, ver-öffentlicht habe, hat ihren tieferen Grund in einer Eigenschaft Tschirn-hausens, welche wir sonst für eine sehr lobenswerthe anerkennenmüssen. Aus seiner „Medieina Mentis” nämlich ersehen wir deutlich,dass ihm eine philosophische Auffassung auch rein mathematischerGegenstände innewohnte, welche ihn überall das Princip streng fost-halten und methodisch fortschreiten liess, erkennen wir ferner, dass

’) Gorhardt: „Leibnizons matbematische Schriften”. Band UI. 1863, pag. 391,

2 ) Gerhardt in: „Leibnizens mathematische Schriften”. Band IV. 1859.pag. 42 3‘ nennt seine Pläne „änsserst weitgehend” (s. pag. 7).