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Die Forstwissenschaft.
8- 60. Vom Schutze gegen Naturereignisse und sonstige schädliche Zufälle.
1) Den im §. 1. und den unter (1) des §. 7. erwähnten schädlichen Ein-wirkungen suche man mittelbar durch geeignete Schlagführung, stärkeren Be-standsschluß an gefährlichen Orten, Anwendung der bereits erwähnten Deck-undBeschattungsmittel (§. 16.Nr. 2, §. 19, §. 33. rc.) zu begegnen. Wind-fälle werden in Deutschland durch West- und Nordwestwinde herbeigeführt,die Windrichtungen übrigens im Gcbirg durch die örtliche Lage mitunter ab-geändert, worauf daher bei Anlage der Schläge und der Schlagfolge (§. 72.)Rücksicht genommen werden muß. — Ueberhaupt ist die Gefährlichkeit in An-sehung der verschiedenen Arten schädlicher Einwirkung örtlich sehr verschieden.In aufmerksamer Berücksichtigung dieser örtlichen Verschiedenheit bei Wahl derHolz-, Betriebs-, Kultur- und Hiebsarten liegt daher ein Hauptmittel zurVerhütung der fraglichen Beschädigungen.
2) Die unter Nr. 6. des §. 6. erwähnten Krankheiten zeigen sich in derforstlichen Praxis vorzüglich unter folgenden Formen: Sonnenbrand, Kümmern,Gipfeldürre, Fäule. Sie werden hauptsächlich veranlaßt durch plötzliches Frei-stellen an gefährlichen Orten, ungünstigen Boden oder Mißhandlung desselbenoder des Bestands, zu dichten Schluß. Wir haben also in Beobachtung derRegeln des Waldbaues (einschließlich der Nebennutzungen) das beste Mittel,diesen nachtheiligen Erscheinungen möglichst zu begegnen. Das plötzliche Gelb-werden und Abfallen der Nadeln an jungen Kiefernsaaten ist häufig nur dieunter dem Namen „Schütten" bekannte Erscheinung und dann meistens nichttödtlich, obgleich die Pflanzen dadurch um ein oder einige Jahre zurückgesetztwerden.
3) Wenn ungeachtet der unter Nr. 4. des §. 56. empfohlenen Vorsicht einWaldbrand entsteht, so kommt es darauf an, ob er an dem betreffendenOrte schnell genug (vor dem Umsichgreifen) überwältigt und gelöscht werdenkann. Ist dieß nicht der Fall, so muß man seine ganze Thätigkeit auf Abson-derung des angegriffenen Bestands und Verhinderung der weiteren Verbreitungdes Feuers (wobei Boden- und Gipselfeucr zu unterscheiden ist) durch Wcgräu-mung der brennbareil Stoffe widmen und hierbei die (nach Umständen im Noth-falle durch Gegenfeucr abändcrbare) Windrichtung berücksichtigen. Reinhaltender Bestände (namentlich des Nadelholzes) von trockenem Gehölze, und Schlei-ßen von angemessener Breite (Feuergestelle) vermindern die Gefährlichkeit derWaldbrände wesentlich. Die Holzmasse, welche durch sie verzehrt wird, ist ansich meistens unerheblich; ihre - Schädlichkeit besteht in der bedeutenden Werths-verminderung der angebrannten Stämme und in der, wegen Absterbens dersel-ben, herbeigeführten Nothwendigkeit vorzeitiger Fällung. Das Wegbringen desangebrannten Holzes muß, um an Werth nicht noch mehr zu verlieren und um(in Nadelhölzern) die Verbreitung von Jnsecten zu verhindern, möglichst baldgeschehen.
Drittes Hauptstück.Forstliche Betriebs- und Gewerbslehre.
Diese Lehre begreift die Anleitung, wie der Waldwirth seinen Hanshalt einzurichten undzu führen hat. Sie ist analog Demjenigen, was man in der Wissenschaft von der Landwirth-schaft unter der landwirthschastlichen Betriebslehre versteht.