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Encyklopädie der Forstwissenschaft / von G.W. von Wedekind
Entstehung
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73
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Von der Betriebseinrichtung und Ncgulirung des Naturalcrtrazs- 73

das unter (5) des §. 67. erwähnte Verfahren nach den Vorschriften dieses §.68. mittelst Untersuchung an Probestämmen für jede Klaffe auf den ganzenBestand ausdehnt, oder indem man den Holzgehalt von zwei nur im Alterverschiedenen Beständen mit einander vergleicht. Dieser b e st and s weise Zu-wachs ergibt übrigens verschiedene Verhältnisse als der stammweise des §. 67.aus den bereits im §. 7. unter Nr. 2. angedeuteten Gründen.

7) Wenn der Holzgehalt einer kleineren ausgewählten Probe- oder maß-gebenden Fläche oder deren Zuwachs oder das Ergebniß einer darauf vorge-nommenen Musterfäilung einer vorzüglich genauen Ausmittelnng unterworfenwird, so nennt man dießErtragsversuch" und beziehungsweiseZuwachsver-such." Gewöhnlich geschieht beides gleichzeitig und wird der Ertragsversuchauch zu Beobachtungen über die stereometrischen Verhältniße der Bäume (m. s.oben Nr. 3. des §. 67.) benutzt. Der Zweck dieser Ertrags- und Zuwachs-beobachtungen ist, Schlüsse auf den Ertrag anderer Bestände zu ziehen,Er-tragsansätze" zu gewinnen und namentlich Stoff für Ableitung von Ertrags-tascln zu erhalten oder umgekehrt die Anwendbarkeit gegebener Ertragstafelnzu erproben oder Verhältnißzahlcn für ihre Anwendung zu erforschen. Hierauserhellt, daß dergleichen Versuche in der Regel nur in vollkommenen und regel-mäßigen Beständen (m. s. Nr. 3. des §. 7.) anzustellen sind und daß dieFläche, worauf der Versuch angestellt wird, nicht zu klein sein darf, z. B.gewöhnlich nickt unter zwei Morgen. Von großem Werthe sind in dieser Be-ziehung die ständigen Versnchsstellen, welche man im Walde bleibend begrenztund zeitweise wiederholter Aufnahme und Vergleichnngen unterwirft.

8) Die Ertragstafeln entstehen, indem man die Ergebnisse der Er-tragsverinche und auch der Fällungen entsprechender Bestände nach ihrer Re-dnction aus die Einheit des Flächenmaßes, gesondert nach Holzarten oder (nachUmständen) ständigen Holzartcnmischungcn, nach Betriebsarten und nach Stand-ortsgüten (m. s. oben die §§. 1, 2. n. 3., sodann Nr. 3. des §. 69.) in derReihenfolge des Alters ordnet, und nach gehöriger Sichtung dieses in denvorbereitendenErfahrnngstafeln" enthaltenen Materials die für den ganzenWachsthumsgang der Bestände von der frühesten Jugend bis zum praktischhöchsten Alter gütigen Ansätze zusammenstellt. In dieser Entstehungswcise undstrengen Absonderung des Verschiedenartigen liegen zugleich die Bedingungender Zuverlässigkeit der Ertragstaseln und ihrer Anwendbarkeit, somit die Noth-wendigkeit, die Ertragstaseln auf eine möglichst umfassende Menge richtigerErfahrungen aus derselben oder einer maßgebenden Ocrtlichkcit zu gründen,Lücken mit sehr großer Vorsicht durch Interpolation zu ergänzen nnd znr An-wendung fremder Ertragstaseln nur nach Kenntniß der Orte und Art ihrerEntstehung, sowie nach deren genauen Prüfung, zu schreiten.

Vierte Abtheilung.

Von der Betriebseinrichtnng und Negulirung des NaturalertragS.

Die Forstbetricbscinrichtung Hai die Aufgabe, die Fällungen und Kulturen, nach Umständenauch Ncbcnnutzungen der zu einem ivirthschastlichen Ganzen vereinigten Walddistricte nnd Holz-bestände für einen zur Begründung der beabsichtigten Ordnung erforderliche» Zeitraum dergestaltzu bestimmen, daß sie, so weit es der Zustand des Waldes gestattet, dem jeweiligen Zweckeentsprechen, zu zeigen, wie der diesem Zwecke angemessene Zustand so viel möglich in dergewünschten Zeit herzustellen sei und den aus diesen Operationen sich ergebenden Naturalsrtragauszumittclu. Näheres in: 1) Jnstruetion für die BetricbSregulirung und Holzertrags-schätzung der Forste, durch Beispiele erläutert, nebst einem Hefte mit Mustern und Ertragstaseln,von G. W- Frhr. von Wedekind, Darmstadt 1838 (zugleich 2. Aufl, meiner Anleitung von1834); 2) die Fachwerksmethvdc der BetricbSregulirung und Holzcrtragsschatznng der Forste,