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Der nützlichen Hauss- und Veld-Schule erster Theil, in welchem ausführlich enthalten, wie man ein Land-Feld-Guth und Meyerey mit aller Zugehöre ... mit Nutzen anordnen solle : worbey dann auch zugleich eine zur Hausshaltung auf dem Lande nützliche Hauss-Artzney für Menschen und Viehe, samt allerhand raren und vorträglichen Hauss-Künsten, mit sonderbarem Fleiss colligirt ... / und nunmehr mit dem lang-verlangten zweyten Theil, samt darzu gehörigen Figuren und einem vollständigen Register an den Tag gegeben durch Georg Andream Böckler
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864 Claſt XXXIII. Vom Bierbraͤuen oder Sieden.

I. Betreffend die Fruchr oder Materi/ ſo man zu dem Bier ſieden von-nöͤtheu hat/ ſo iſt dieſelbige unterſchiedlich: Es wird aber ins gemein/ wie bekandund gebraͤuchlich/ darzu genommen.(1.) Waitzen/(2.) Gerſten/(3.) Hopffen.

(1) Waitzen und(2.) Gerſten ſolle man hierzu das allervollkommenſte/ſo wol reiff und dicke Köruer hat/ auch auff gutem Land gewachſen iſt/ erwaͤhlen.2ꝑDie Frucht ſolle bey gutem trocknen Wetter eingeſamlet/ hernach an ei-nem bequemen Ort trocken zum Gebrauch verwahret werden.

(3.) Der Hopffe ſolle auch wol zeitig/ fett und klebrig ſeyn/ auch einenguten ſtarcken Geruch haben/ fuͤr Naͤſſe und geuchte verwahret und auffgehabenwerden.

Das Waſſer/ ſo man zu dem Bier ſieden haben muß/ iſt das beſte dasflieſſende Brunnen⸗waſſer/ hernach das Geſchoͤpffte/ ferner das Regen⸗waſſeraus Eiſternen. Item: das Waſſer aus Graͤben/ ob es gleich truͤb oder unrein/ſo ſchmeckt es doch beſſer/ und ſauret langſamer/ als das Bier/ ſo aus klaremBrunnen⸗waſſer geſotten worden; dann das truͤbe Waſſer/ ob es ſchon un-rein iſt/ ſo wird jedoch dieſelbige Unreinigkeit ausgeſotten/ und bekommt dasWaſſer eine beſſere Natur.

Man Braͤuet auch Bier von Sauer⸗Waſſer; Diß Bier wird ſchoͤn klarund wolſchmeckend/ wie Wein/ wie ich dann vor wenig Jahren bey meinerHaußhaltung zu Franckfurt/ in der Wetterau⸗ bey Friedburg/ zu Stade habemachen laſſen. Esiſt aber dieſes Saur⸗Waſſer⸗Bier faſt ſo theuer als derWein bezahlet worden/ in deme die GOhme Franckfurter Eych/ ſeynd 89. Maß11. Kopffſtuͤck/ ſeynd 3.Gulden und 2. Kopffſtuͤck/ ohne andere Unkoſten/ hatmuͤſſen bezahlet werden.

Bier/ ſo vom Maltz/ welches an der Lufft getrocknet und geduͤrret wor-

den/ iſt geſunder und beſſer/ als das jenigt/ ſo durchs Feuer auffder Duͤrre ge-duͤrret worden.

Wie viel man Hopffen/ Gerſten/ Maltzʒ/ꝛc. und dergleichen/ zu einerBraͤu/ oder etliche Fuder Bier zu machen vonnoͤthen/ und nehmen ſolle/ kanmankein gewiſſes maß ſetzen/ und muß man ſich nach jedes Landes Gewonheitdamit richten. Worbeyaber ſonderlich in acht zu nehmen/ daß man den Hopf-fen nicht ſpare/ noch deſſen zu wenig nehme; dann uͤbel⸗gehopfftes Bier/maͤcht unnoͤthige Winde/ und verſaͤuret das Bierbald/ auch iſt der Hopffe war-s und trockner Natur/ benimt demnach dem Waſſer ſeine Kaͤlte und Feuch-tigkeit.

Nota. Der Hopffe eroͤffnet die Verſtopffung der Leber/ reiniget dasGebluͤt/ hindert alle Faͤulung im Leibe/ undtreibet die Bilio-ſiſche Feuchtigkeiten aus.

Der