878 Clafſl. xxxvl. Vom Diſtilliren.
genommen/ wann dieſelbige gantz vollkommen/ und ehe die Blaͤtter darvon ab-llen.
fe 2. Rraͤuter werden diſtillieret/ wann dieſelbige zu rechter Zeit abge-
brochen/ wie wir oben in der Xl. Claß umſtaͤndigen Bericht darvon gethan;
werden alſo friſch und gruͤn zum diſtillieren genommen/ abſonderlich aber Tau-
ſend⸗guldenkraut/ Taubenkropff/ Doſten/ Quendel/ und dergleichen.
Was abertrockene und hitzige Kraͤuter ſeynd/ die ſolle man zuvor ein we-nig welck werden laſſen; als da ſeynd Wermuth/ Rauten/ Muͤntz und Stab-wurtz/ oder andere dergleichen: dann dieſe werden in der Diſtillierung/ nach derVerwelckung nur kraͤfftiger.
3. Wurtzeln ſolle man diſtillieren/ wann dieſelbigen in ihrem beſtenSafft am vollkommenſten ſeynd/ ſolle man ſie ausgraben/ und dieſes ſolle ge-ſchehen zu der Zeit im Jahr/ es ſeye im Fruͤhling oder Herbſt/ wann die Wur-tzeln in ihrem beſten Safft und Krafft ſeynd.
So man demnach die Wurtzel diſtillieren will/ ſolle man dieſelbige vonaller Erde rein waſchen und ſaͤubern/ hernach alle Zaͤſerlein und Nebenſchoͤßleinabſchneiden/ dieuͤberbliebene Wurtzeln alsdann klein hacken/ und in einemMoͤrſel zu einem Brey ſtoſſen/ hernach dieſelbige ein wenig mit Wein beſpren-gen/ alsdann in einem Glaß wol und beheb vermacht/ in zimlicher Waͤrme di-geriren und putrificiren.
Nota. So aber die Wurtzeln feucht⸗waͤſſerig⸗oder fetter Art/ ſo beduͤrf-fenſie nicht ſo langer Digeſtion, und ſollen nur in der Sonnediſtillieret werden.
Noch ferner iſt hierbey in acht zu nehmen/ daß man die Art und Eigen-ſchafft der Wurtzel wol warnehme/ und deroſelben kraͤfftigſten Theil zum Di-ſtillieren erwaͤhle; Als bey den hitzigen Wurtzeln iſt das euſſerſte Theil und dieRinde faſt am kraͤfftigſten. In den kalten Wurtzeln aber/ hat es einen ſonderli-chen Unterſcheid/ dann etwann das innerſte Marck amſchaͤrffſten iſt.
Es werdetn auch Wurtzeln mit Rinden und Marck gantzallein gebrochen.Die jenigen aber/ ſo inwendig gar hartes und hoͤltzernes Marck haben/ aus den-ſelbigen wird ſolches heraus gethan; als da ſeynd die Fenchelwurtz/ Peterſilien-und Epffwurtzel.
Norta. Nachdeme man auch offtermals nothwendiger Weiſe bißweilen
duͤrre und trockene Kraͤuter diſtilliren muß. SoV ſolle die
Hauß⸗Mutter dieſelbige zuvor ſaͤubern und netzen/ hernach
in gebuͤhrlicher Feuchte und Bruͤhe etliche Stunde oder Ta-
ge/ je nachdeme es noͤthig ſeyn wird/ erbaitzen laſſen; man
ſolle aber auch ſolchen duͤrren Kraͤutern eine ſonderbare Feuch-tigkeit geben/ welche der andern zum Theil gleich ſeye/ 6ie