Claſſ. XXXVI. Vom Diſtilliren. 877
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recht wiſſe anzuſtellen; dann etliche Sachenerfordern ein helles groſſes Feuer:Andere aber nur gelindes Kohl⸗Feuerlein. Im Gegentheil/ etliche wollen nurdurch die Waͤrme der Sonnen/ warme Aſchen oder Sand/ Roß⸗Miſt/ war-mes Waſſer/ oder Dampff/ ungeloͤſchten Kalch/ und dergleichen zuwegen ge-bracht werden. 8
Damit man aber die Hitz und Waͤrme unterſcheiden moͤge/ hat man vor-nemlich viererley Staffeln oder Gradus derſelbigen in acht zu nehmen:
1. Der Erſte Gradoder Wuͤrckung der Waͤrme iſt lau; als wanndas Waſſer nur halb warm iſt. Oder/ wie der Dampffeines ſiedenden Waſſers/da iſt keine ſonderbare Gefahr zu beſorgen.
2. Der Andere Grad iſt etwas waͤrmer/ und kan man denſelbigenohne einigen Schaden wol erleiden zals wit eine warme Aſche.
3. Der Dritte Grad iſt ſehr heiß/ daß er auch kan ein Glied verletzen;Inſonderheit wie der heiſſe Sand zu ſeyn pflegt.
4. Der vierdte Grad iſt noch hefftiger/ alſo daß man denſelbigenkaum erleiden mag/ wie die Hitz im · Hammerſchlag.
Durch den erſten Grad kan und ſolle die Hauß⸗Mutter alle ſubtile undfeuchte Stücke/ als da ſeynd Blumen/ Kraͤuter/ Endivien/ Lattich/ ꝛc. unddergleichen brennen/ oder diſtillieren.
Durch den andern Gradkan ſie allerhand ſubtile und trockene Sachendiſtillieren; als da ſeynd vielerley wolriechende Sachen und Gewuͤrtz: inſon-derheit Zimmet⸗Rinden/ Naͤgelein/ Pfeffer/ Ingber: alſo auch etliche Kraͤuter/als: Salbey/ Wermuth/ und dergleichen.
Durch den dritten Grad ſolle dieſelbige alles/ was dick/ feiſt und ſafftig iſt/diſtilliereu; als da ſeynd vielerley Wurtzeln/ und anders mehr.
Durch den vierdten Grad aber werden nur allein die Metallen und Mine-ralien/ als da ſeynd Alaun/ Arſenie/ und dergleichen/ gebrennet.
II. Die Zeit des Diſtillirens anbelangend/ ſo hat die Hauß⸗Mutter die-
ſe allgemeine Regelin acht zu nehmen/ daß dieſelbige eine jede Materi ſolle di-
ſtillieren;inſonderheit was die Wurtzeln⸗Kraͤuter/ Blumen und Samen an-
belanget/ wann dieſelbigen ambeſten zeitig/ und wir bereits oben bey
Anordnung und Pflantzung der Gaͤrtengnugſame Machricht gegeben haben.
1. Blumen ſolle man diſtillieren/ wann ſie in thrervollkommenen Blů-
he und offen ſeynd; Es ſeyndaber die Roſen am raͤfftigſten/ wann ſie nochKnoͤpffe haben/ und erſt anfangen auffzugehen-
Die Caper⸗Blumen allein ſolle man nehmen/ wannſit noch Knoͤpffleinhaben/ und noch nicht auffgegangen. 1
Ins gemein aber werden alle Blumen ſonſten zur DiſtillirrungSſſſſ a ge-