50
Das venetianische Bündniß bleibt unerncuert.
1612 . theilen; ich maße es mir nickn an und fern sei es von mir auf dasGedächtniß eines solchen Mannes den mindesten Schatten werfen zuwollen.
Bei Ablauf des Jahres gelangte, und zwar wie man als sicher be-hauptet, auf 'Anregung Carl Paschal's, des französischen Gesandten,der die Sache ebenso schlau als heimlich betrieb, ein Ausschreibender drei Bunde über Kündigung des venezianischen Bündnisses ^ a»die Gemeinden. Die Häupter motivirtcn dieselbe mit der pestartigenSeuche jenes Jahres; doch hatte sie in den Bünden bereits nachgelassen.
Der Bundstag fand zu Cur im Monat Februar 1612 statt. Hierwurden die Stimmen über Erneuerung des venetianische» Bündnissesgesammelt und klassifizirt. Die Mehrheit aber sprach sich dahin aus,das Bündniß nicht über zehn Jahre dauern zu lasse». Die dießsälligeuBriefe an den Herzog von Venedig (diese soll Pascha! geschriebenhaben, wie Verschiedene, welche in dem nachher aufgefundenen Lbozzoseine Hand erkannten, behaupten), wurden durch Thomas Müller ausdem Bregcll gesandt. Reisegeld erhielt derselbe aus einer Subvention,welche Pascha! bezahlte. Der Inhalt der Briefe ging dahin, daß, wennauch das Bündniß aufgehoben werde, dennoch Freundschaft und guteNachbarschaft, wie zur Zeit der Vorfahren, bestehen sollte. Dessentonne der Senat sich überzeugt halten, auch hoffe man diesseits dasNämliche. Wie später aus den Schriften des Hauptmanns RudolfPlanta hervorging, soll Pascha! sechstausend Goldgulden verausgabthaben, um die Erneuerung des venetianischen Bündnisses zu hinter-treiben, eine Anschuldigung, welche jedoch Pascha! in der Geschichteseiner Gesandtschaft auf das Entschiedenste läugnct, so wie auch, daßer überhaupt Hand zu irgend etwas geliehen babe, wodurch der Würdeder Republik Venedig und namentlich dem mit ihr geschlossenen Bünd-nisse Eintrag geschehen konnte. Gleichzeitig klagt er, daß Leute, dielängst schon der Lüge und Unverschämtheit sich zu eigen gegeben, aufdie frechste Weise zu behaupten wagten, es sei ein Bündncr durch Ver-sprechungen und Geschenke des französischen Gesandten erkauft undverführt worden, daS venetianische Bündniß zu vereiteln.
Ein Schreiben des Herzogs zu Venedig, in welchen! von der bal-digen Ankunft eines Gesandten gesprochen und gleichzeitig gebeten
^ Es lies dasselbe im Monat Aug. >613 ab. Nichoni, Graubündncr-krieg. Mse. Buch. I. Kap. 3.