Buch 
Des Ritters Fort. Sprecher v. Bernegg J.U.D. Geschichte der Kriege und Unruhen, von welchen die drei Bünde in Hohenrätien während der letzten Jahre heimgesucht wurden / [Fortunat von Sprecher von Bernegg] ; nach dem Lateinischen bearbeitet, durch Anmerkungen erläutert und unter den Auspizien der bündnerischen geschichtforschenden Gesellschaft herausgegeben von Conradin v. Mohr
Entstehung
Seite
70
JPEG-Download
 

70

Evangelische Synode zn Bergün.

1618 . Bald hatte sich das Gerücht von diesem Vorgang rings herum ver-breitet.

Inzwischen wurde die Synode der evangelischen Prediger beschleu-nigt und man kam Anfangs Mai zn Bergün zusammen. Da GeorgSaluz, Pfarrer zn Enr, der gewöhnliche Präses oder Synodalprediger,wie man ihn nannte, ein Mann reifen Urtheils, welcher Hitzköpfc nichtliebte, so zn sagen als ein Freund Planta's betrachtet wurde, so wurdeEaspar Alerins, der von Genf, wo er sich früher aufhielt, einen Rufnach Sondrio im Veltlin erhalten hatte, zum Präsidium der Ver-lammlnng berufen. Vorerst behandelte man Kirchliches, dann sollteneinige Prediger, als verdächtig der spanischen Partbei anzugehörenvon der Synode ausgeschlossen werden. Zur Begründung dieser Er-elnsion berief man sich auf ein Synodalgesez, welches den Geistlicheneinschärfte, allen spanische» Machinationen aus allen Kräften sich zuwidersezcn. Nun entspann sich ein heftiger Wortwechsel, denn Mehrerewaren überzeugt, daß in den Bünden eigentlich gar keine spanischeParthei eristire und was davon gesagt wurde, lediglich eine Erfindungder venetianischen Parthei sei. Es müßte denn sein, sagte man, daßman Alles mit dem Ausdruck Hispanismns bezeichnen wolle, wasauch nur im Geringsten die Freiheit deS Vaterlandes mit Gefahr be-drohe, in welchem Falle Jeder verpflichtet sei, dasjenige mitzniheilen,was ihm von dergleichen Unternehmungen bekannt geworden. Nunsnbrten Verschiedene Mancherlei als Jndicicn im Finstern hcrnm-schleichenden spanischen Wesens an. Unter Andern! sagte Jacobv. Moos, ein Engadiner und Pfarrer im Schamserthale, er habe vonLand. Joh. v. Capol gehört, Pompejns von Planta hätte einmal dieDrohung fallen lassen, daß wenn ein neuer Aufruhr in den Bündenangezettelt würde, er und sein Bruder Rudolf keineswegs mehr anSdem Lande fliehen, sondern sich im Veltlin verschanzen würden. Bondiesem Gerede war nun daS Gerücht bereits früher bis zn Pompejnsgelangt, welcher darauf den Johann v. Capanl vermocht hatte, nachBergün zur Synode zn gehen und dort jede derartige Aeußerung vonihm in Abrede zn stellen. Aber durch eben dieses Längnen machte ersich ein wenig verdächtig. Auch war ein gewisser Brief in der Geist-lichen Hände gelangt, den Jac. Toscan aus Misox, Geistlicher undE.anonicus zu Enr an einen Freund geschrieben hatte und in welchemdes Marimilian Mohr und gewisser Gelder Erwähnung geschehen seinsollte, — aber Diejenigen, welche man am meisten im Verdacht hatte,