98 Gesandtschaft des Obersten Guter nach Frankreich.
berichtet zu haben. Dazu noch manches ganz Unbegründete. Auch siewurden spanischer Gesinnung angeklagt. Diesen Urtheilen stimmtenjedoch die Klügeren nicht bei, indem sie leicht denken konnten, daß alleHandlungen der Dollmetsche von dem Wink und den Aufträgen derfranzösischen Gesandten abhängig waren und daß leztlich der Schuzdes allerchristlichsten Königs seinen Dienern niemals fehlen würde.
Zn diesen Tagen kam Anton Donato, zum veuetianischen Gesandtenbeim Könige von England bestimmt, durch Tusis. Als er nach derSitte die Richter begrüßte, soll er sie ermähnt haben, über dieGerechtigkeit, die Billigkeit und Milde nicht außer Acht zu lassen.Die Spanischgesinnten behauptete» später, derselbe habe bei dieserGelegenheit große Summe Goldes zu Tvfis vertheilt, doch war dieseAnschuldigung unbegründet.
Inzwischen begannen Einige der Richter zu Tusis unruhig zu werdenund sich vor dem Unwillen der auswärtigen Fürsten zu fürchten. Siebeschlossen daher den König von Frankreich schriftlich über die Hand-lungen seiner Gesandten Paschal und Gueffier zu belehren. Diese Briefesollte der Fähnrich Joh. Flisch zuerst nach Lyon zu Hauptmann Rud.v. Schauenstein tragen und wenn derselbe dann Empfehlungsschreibenhinzugefügt hätte, dem Könige selbst nach Paris bringen. Da abertäglich von Freundesseite her die ernstlichsten Mahnungen über die demGemeinwesen drohenden Gefahren flössen, wenn nicht der König vonFrankreich die gründlichste Kenntniß von allen Borfallenheiten erhielte,wurde sofort Oberst Johannes Guler von Weineck mit sehr ausge-dehnter Vollmacht nach Frankreich abgeordnet. Seine Jnstruction warmit den Siegeln aller drei Bünde versehen und er galt als Abgesandtersämmtlicher Räthe und Gemeinden. Er selbst wußte es als einkluger Man» recht wohl, daß, wenn er nur als Bote der TuSner auf-träte, er nicht sehr günstig aufgenommen werden würde. Und in derThat schien zuerst wegen der Sache des Erzpriestcrs und dem Geschreider kaiserlichen und spanischen Gesandten die Sache unangenehm.Aber durch Beihülfe von Freunden, von welchen namentlich TrajanGuiscardi, Mantuanischer Gesandte, thätig war, wußte er sich beiCarl Albert, Herzog von Luynes, welcher der höchsten Gunst beimKönige sich erfreute, einzuführen. Später wurde er bei NicolasBrulart Sylleri, dem französischen Großkanzler, zur Audienz zugelassen.Auch Carl Paschal wurde von Abbeville nach Paris herbeigerufen undvor allen aus hielt er es für wichtig, dessen Zorn zu besänftigen.