Buch 
Des Ritters Fort. Sprecher v. Bernegg J.U.D. Geschichte der Kriege und Unruhen, von welchen die drei Bünde in Hohenrätien während der letzten Jahre heimgesucht wurden / [Fortunat von Sprecher von Bernegg] ; nach dem Lateinischen bearbeitet, durch Anmerkungen erläutert und unter den Auspizien der bündnerischen geschichtforschenden Gesellschaft herausgegeben von Conradin v. Mohr
Entstehung
Seite
99
JPEG-Download
 

Gesandtschaft des Obersten Guter nach Frankreich. 99

Endlich, als der Weg gebahnt schien, gelangte er zum Anblick desKönigs selbst, von welchem er mit wohlwollender Miene empfangenwurde. Mit ausgesuchter Geschicklichkeit und der ihm eigenen großenBeredsamkeit empfahl er demselben die Bünde und ihre Angelegen-heiten, entschuldigte bestmöglichst den Aufruhr und bot leztlich demKönige und seinen Gesandten alle bundlgenössischen Dienste an.

Der König versicherte in freundlicher Entgegnung, wie er der mitihm verbündeten drei Bünde sich stets annehmen und seine Hülfeihnen niemals versagen werde; wenn selbe innerhalb der Grenzen derMäßigung verbleiben und neue Bündnisse unterlassen wollten.

Endlich kehrte Guler, zum Ritter geschlagen und mit einer pracht-vollen goldenen Kette beschenkt, somit hoch geehrt, wieder heim. Ob-schon das Tusner Strafgericht noch beisammen war, legte er doch nichtihm, sondern zu Cur, den drei Häuptern Rechenschaft über seine Sen-dung ab. Jenes aber fuhr stets fort Strafurtheile zu erlassen, Einigezu ächten, Andere ihrer Ehren und Würden zu entseze», wieder Andereum schwere Geldsummen zu büßen. Als znlezt nichts mehr zu thunübrig blieb, begannen sie auf Privatstreitigkeiten der Unterengadinereinzutreten, über die geringsten Rechtsverlezungen zu urtheilen undselbst mit Civilfragen sich zu beschäftigen. Von den Engadinern gingdas Gerücht, daß bei ihnen zur Erlangung obrigkeitlicher StellenKesselei ^ im Schwange sei. Viele, welche dem Verlange» der Eid-genossen um freies Geleit der Geächteten entsprechen wollten, verlorensowohl ihr Activ- als Pasfivstimmrecht.

Am 30. Nov. 1618 machte der Herzog von Feria, Statthalter zuMailand, durch ein Manifest bekannt, daß die Bündner nicht berechtigtseien es zu verhindern, daß die Mailändischen Unterthanen bei Aus-fuhr von Holz und Anderem den See von Mezzola (dessen Besiz vonAlters her dem Könige zustehe) beträten. ^ Die Sache ging übrigensalso zu. Als im Februar des vorigen Jahres Don Pedro de Toledo,Statthalter zu Mailand, den Durchpaß sämmtlicher Waaren verbot,wollte auch ich auf Befehl der bündnerischen drei Häupter als Com-missarius zu Cläven es nicht gestatten, daß über den See von Mez-zola (auch Clävner See genannt und bis zum Felsen Olciasco bünd-

r» Der eigentliche damals und jczt hier zu Land noch übliche Aus-druck für Bestechung.

w Gleichzeitig sollten dem Gerächte nach 6000 Mann Fußvolk und1000 Reiter zusammengezogen worden sein. Anhörn I. 11.