Buch 
Des Ritters Fort. Sprecher v. Bernegg J.U.D. Geschichte der Kriege und Unruhen, von welchen die drei Bünde in Hohenrätien während der letzten Jahre heimgesucht wurden / [Fortunat von Sprecher von Bernegg] ; nach dem Lateinischen bearbeitet, durch Anmerkungen erläutert und unter den Auspizien der bündnerischen geschichtforschenden Gesellschaft herausgegeben von Conradin v. Mohr
Entstehung
Seite
145
JPEG-Download
 

Mord zu Tirano.

145

Dos ^geschnittene Haupt des Basso wurde auf die Kanzel der evan- t620.gelischoi Kirche gestellt und ihm spöttisch zugerufen: steige hernieder tS.Iul.Basso ^ du hast lange genug gepredigt.

Wie schon bemerkt, hatten die Mörder die Podestaterei, in welcheMergels frühe Michael Lazzaroni, der Kanzler im Amte, eingetretenwar, uuringt »ud verlangten dessen Auslieferung, anseilst sie an dasGebame Feuer lege» würden, — eine Drohung, welche sie durchNäherung des Feuers an die Thüre» bereits zu erfüllen sich anschickten.

Der Diener des Podest» Ckristian v. Jochberg, der am Fenster er-schien, wurde sofort erschossen. Mapheo Cattaneo, ein Calholik, dessenGattin die Schwester des gedachten Lazzaroni war, wurde, weil er demCanzlei das Zeichen gegeben hatte, zu entfliehen, aus dem öffentlichenPlaze riedergehanen. Inzwischen ermähnte Lazzaroni in der Podesta-terei scwohl den Podest» selbst als die Diener zu hartnäckiger Ver-theidigung. Denn es fanden sich daselbst große Büchsen und gewöhn-liche Eewebre, Schießpulver, Kugeln und anderer Kriegsbedarf inMenge vor. Der Podest» aber, welcher die Mörder eher durch Nach-giebigkeit als Gewalt für sich zu stimmen hoffte, ließ Pulver und Ku-gel» in die Adda werfen. Der Kanzler selbst ging entkleidet in denFluß und hielt sich dort drei Stunden verborgen, während welchender Dector Vincenzio Venosta mit seinen Helfershelfern ihn emsigsuchte. Endlich zog man ihn, von einem Weibe verrathen, aus demWasser hervor. Nach Einigen soll er zum Besten seiner Kinder umsein Lebe» gebeten haben, woraus die Mörder aber antworteten, dieZeit der Gnade sei vorüber. Doch ermähnten sie ihn, seinen Glaubenabzuschwören, eine Zumnthung, die er beharrlich von der Hand wies.

So fand er unter Anrufung des göttlichen Namens auf die grausamsteWeise seinen Tod. Ihm entging ebensowenig der Podest« von Tiranoselbst, Joh. v. Capaul. Denn nachdem noch an demselben Abend dieThüren des Hauses verbrannt worden waren, drang mau am anderenMorgen in die Podestaterei, nahm den Sohn Rigett und die Dienerin Gewahrsam, jagte die Frau, Kinder und die klebrigen heraus undplünderte dann das Hans von Oben bis Unten. Als Antonio Rotti-giolo, ein Katholik, das vergoldete Schwert dcS Podest« genommenhatte, verlangte der Doctor Johann Baptista Marinoni dessen Aus-lieferung, da dasselbe sich nicht für einen Bauer zieme, — und als

3 Ein unnberjczbares Wortspiel: ,.It»sso, es!» » b»sso" im Original.